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Unterwegs als taubstummer Analphabet

Elf Tage lang war ich allein in Taiwan unterwegs – und das völlig ohne Chinesisch-Kenntnisse. Teilweise habe ich mich dabei gefühlt wie ein Taubstummer, weil ich weder verstanden habe, was die Taiwanesen mir sagen wollten, noch von Ihnen verstanden wurde (weil ich eben nur Englisch sprechen konnte). Viel schlimmer noch: Ich war gleichzeitig auch Analphabet, und konnte die ganzen Schilder und Aufschriften nur dann entziffern, wenn eine Pinyin-Umschrift vorhanden war. Gottseidank sind aber die Taiwanesen unglaublich freundlich und hilfsbereit (mehr darüber in einem späteren Eintrag), sodass die Rundreise trotzdem sehr gut verlaufen ist.

Kultur …

Die taiwanesische Kultur habe ich in den Städten Tainan (die alte Hauptstadt der Insel), Taitung und Hualien erkunden können:

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Longfong-Tempel

Ich habe unzähligen Tempeln einen Besuch abgestattet – wobei ich sagen muss, dass diese für das untrainierte Auge (wie meines nunmal eines ist) alle ziemlich ähnlich ausschauen. Es war zwar ganz interessant, die Taiwanesen bei ihren religiösen Ritualen zu beobachten, aber andererseits bin ich mir dabei auch ein wenig wie ein Eindringling, d.h.out of place„, vorgekommen.

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Chikan Tower

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Siangde-Tempel

Ganz interessant sind auch die vielen kleinen Straßengeschäfte, wo man Kleinigkeiten zum Essen einkaufen kann. Diese "xiaochi" sind sehr praktisch, um günstig zu einem Mittag- oder Abendessen zu kommen, sofern man das Glück hat, entweder

  • auf einen Taiwanesen zu treffen, der des Englischen mächtig ist,
  • zumindest eine englische Speisekarte verfügbar ist, oder
  • man sich wenigstens durch Handzeichen verständigen kann (was im Zweifelsfall gottseidank meistens klappt).

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Nachtmarkt

Das Warenangebot auf den sogenannten Nachtmärkten, die hier auch sehr beliebt sind (und sei es nur zum Flanieren), ist um einiges vielfältiger: Ab Sonnenuntergang versammeln sich fliegende Händler, die nicht nur Essen, sondern z.B. auch Gewand, Schuhe, Uhren und sonstige Accessoires, Büromaterial, etc. verkaufen. Manchmal beteiligen sich auch umliegende „ortsfeste“ Händler an dem Ganzen, andernorts findet so ein Markt wieder mitten auf der Straße statt, die dafür halt einmal pro Woche gesperrt wird.

… und Natur

Taiwan hat aber auch viel schöne Natur zu bieten. Leider musste ich meine ursprünglichen Reisepläne wegen des Taifuns etwas umstellen, sodass ich das gebirgige Landesinnere nicht ganz so ausführlich wie geplant besichtigen konnte, aber ich habe trotzdem einen recht schönen ersten Eindruck bekommen:

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Wanderweg in Alishan

In der Alishan National Forest Recreation Area wird die Bergwelt Taiwanesen-tauglich aufbereitet: Gepflasterte Spazierwege führen zu den größten Attraktionen (Elefanten-, Schweine- und sonstige Baumstämme, Riesenbäume, etc.). Gerade einmal einen "echten" Wanderweg konnte ich finden, und auch der war mit (abertausenden!) künstlichen Stufen versehen und geschottert. Das liegt aber wohl an den häufigen, starken Regenfällen, die sonst alles ausschwemmen würden.

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Sonnenaufgang in Alishan

Die Hauptattraktion in Alishan ist jedoch der Sonnenaufgang über den umliegenden Bergen. Es gibt einen Beobachtungspunkt etwa 200 Höhenmeter über dem Ort – und auch dorthin muss der faule Tourist nicht mühsam hinwandern, sondern kann bequem mit dem Zug hinfahren! Ich bin jedoch zu Fuß gegangen – und das sogar zwei Mal, weil man beim ersten Mal außer Nebel und Wolken nichts erkennen konnte. Der Fußweg hat sich aber spätestens am zweiten Tag als großer Vorteil erwiesen, denn der Zug kommt erst unmittelbar vor Sonnenaufgang an, und so verpasst man das schöne Schauspiel des Langsam-Heller-Werdens, das ich persönlich für das Schönste beim Sonnenaufgang halte. Außerdem ist da mein Handtuch zum ersten Mal zu seinen Ehren gekommen: Es war als Sitzpolster für die harten, kalten Steinhocker hervorragend geeignet.

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Nach dem Alishan war ein Besuch an der Küste, genauer gesagt an der Südspitze der Insel im Kenting-Nationalpark, angesagt. Das ist der Platz für die taiwanesische Jugend zum Surfen und Am-Strand-Liegen – dementsprechend gut besucht ist er auch.

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Kenting

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Eluanbi

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Taroko-Schlucht

Ein weiteres Highlight, das bei keinem Taiwan-Besuch fehlen darf (und daher auch nicht bei meinem), ist die Taroko-Schlucht, die sich von knapp über Meeresniveau bis weit in die Berge hinein erstreckt. Der "übliche" Besucher erkundet diese Schlucht von unten bis zum Hauptort mitten in der Schlucht (auf ca. 450 Meter Seehöhe) auf einer Bustour. Ich bin sie natürlich zu Fuß (18 Kilometer vom Eingang bis zum Hauptort) abgewandert, wobei die Wanderung entlang der Straße durch stockfinstere oder aus dem Stein gehauene, enge Tunnels manchmal recht abenteuerlich war.

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Steintunnel in der Taroko-Schlucht

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Wanderweg in der Taroko-Schlucht

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Taroko-Schlucht

Außerdem habe ich am zweiten Tag dann noch einige Wanderungen oberhalb des Hauptortes unternommen, und auch dort hat der Taroko-Nationalpark eine wunderschöne Landschaft zu bieten.

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