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Sydney, oder: Wanderschuhe auf Wanderschaft

Mein fünfter Tag in Sydney geht bald zu Ende, und der bisherige Aufenthalt war ziemlich beeinflusst von meinen Wanderschuhen. Manche mögen sich nun fragen, was denn Wanderschuhe in einer Stadt überhaupt zu suchen haben? Tja, es ist ja nicht so, dass ich meine Wanderschuhe getragen hätte – ich wünschte, ich hätte das zumindest theoretisch tun können. Leider haben sie sich jedoch sozusagen selbständig auf Wanderschaft gemacht.

Wie das passieren konnte, ist eine längere Geschichte, wobei sowohl die strengen australischen Einfuhrbeschränkungen, meine eigene Dummheit, als auch ein verwirrendes Shuttle-Bus-System eine Rolle gespielt haben.

Zuerst muss man wissen, dass die Australier eine unglaublich Angst haben, dass irgendwelche Schädlinge oder Krankenheiten, die es bisher in Australien (aufgrund der eher abgeschotteten Lage) nicht gibt. Deswegen wird unter anderem im Flugzeug vor der Landung Insektenvernichtungsmittel versprüht sowie die Einfuhr jeglicher Lebensmittel oder sonstiger tierischer und/oder pflanzlicher Produkte untersagt. Um das zu kontrollieren, gibt es am Flughafen strenge Kontrollen. Bei dieser Kontrolle habe ich (bzw. hat der Beamte) praktisch meinen gesamten Rucksack ausräumen müssen. Schließlich galt es die Reinheit meiner Wanderstiefel zu überprüfen, und die waren leider (aus pack-technischen Gründen) ganz unten im Rucksack – und außerdem, wie sich herausstellen sollte, nicht sauber genug. Sie wurden dann amtlich gereinigt, angeblich um Maul- und Klauenseuche vorzubeugen. Mir ist zwar nicht bekannt, dass diese in Taiwan, wo der Dreck auf meinen Wanderschuhen wohl herkommt, wie wild grassieren würde, aber wenn es die Australier glücklich macht, dann sollen sie ruhig meine Schuhe putzen!

Danach bin ich aber vor der schier unlösbaren Aufgabe gestanden, meine ganzen Sachen in angemessener Zeit wieder in den Rucksack zu verfrachten. Wer schon einmal mit einem 45-Liter-Rucksack auf Weltreise gegangen ist, wird wissen, dass das Rucksack-Packen genau geplant werden will, und man nicht so einfach alles hineinstopfen kann. Aus Zeitmangel musste ich aber genau das tun, und so sind am Schluss meine Wanderschuhe übrig geblieben. Das war aber nicht so schlimm, schließlich bin ich ja gut vorbereitet: Also raus mit einem leeren Plastiksackerl und rein mit den Schuhen!

Anschließend habe ich einen Shuttle-Service zu meiner Jugendherberge genommen (das ist verblüffenderweise billiger als der Zug!), wobei ich den Bus beim Information Desk am Flughafen gebucht habe. Rund eineinhalb Stunden später war ich bei der Herberge, habe eingecheckt – und weitere zehn Minuten später ist mir siedend heiß eingefallen: Da war ja noch ein Plastiksackerl mit meinen Wanderschuhen! Leider bin ich nämlich ohne demselben ausgestiegen.

Um den Rest der Geschichte ein wenig abzukürzen: Nachdem ich nicht genau gewusst habe, welches der vielen Shuttle-Unternehmen mich zur Herberge gebracht hat, habe ich viel herumtelefoniert, aber trotz intensiver Suche kein Shuttle-Service gefunden, dass mich transportiert haben will (was sogar von einem Shuttle-Unternehmen selbst als "odd" bezeichnet wurde). Kurz und gut, nach zwei Tagen habe ich die Hoffnung aufgegeben und mir neue Wanderschuhe zugelegt.

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Shark Island

Wie man sich vielleicht vorstellen kann, hat das Ganze einiges an Nerven und auch Zeit gekostet (vom Geld für die neuen Schuhe einmal ganz zu schweigen). Trotzdem bin ich auch zum Sightseeing gekommen, wobei ich vor allem die Tatsache ausgenützt habe, dass Sydney am Wasser liegt – allerdings gar nicht zum Baden, sondern vielmehr für entspannende Fährfahrten. So habe ich sowohl Sydney Harbour mit seinen Inseln (besonders idyllisch war die Shark Island) und den Sydney River bis Parramatta erkundet. In letzterem Städtchen wurde übrigens im frühen 19. Jahrhundert die erste Schafffarm Australien gegründet – ein dementsprechendes "nationales Heiligtum" ist heutzutage die betreffende Elizabeth Farm.

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Sydney Opera House

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Downtown Sydney

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Blue Mountains

Meine neuen Wanderschuhe habe ich mittlerweile auch schon eingeweiht, und zwar gleich mit einer mehrstündigen Wanderung in den Blue Mountains, einem Nationalpark etwa zwei Stunden Zugfahrt westlich von Sydney. Bei dieser Wanderung über steile Stufen vom Klippenrand ins mehrere hundert Meter tiefer liegende Tal darunter und wieder hinauf haben sie sich sehr gut bewährt. Darum werden sie morgen gleich wieder (in einem anderen Teil des Nationalparks) zum Einsatz kommen.

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Three Sisters

Übermorgen geht es dann bereits nach Fidschi – hoffentlich ohne weitere Zwischenfälle. Da ich nicht weiß, wie es dort mit dem Internet-Zugang aussieht, melde ich mich einmal vorsichtshalber für die nächsten zwei Wochen ab. Wenn mich wer braucht, ich bin auf den Yasawa-Inseln am Strand, beim Schnorcheln, oder vielleicht sogar beim Tauchen!

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