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Kleine Ursache, große Wirkung (Teil 2)

Auf dieser Reise lasse ich anscheinend so ziemlich nichts aus! Eigentlich hätte mir ja der erste Teil meines "Kleine Ursache, große Wirkung"-Erlebnisses gereicht, aber in den letzten Tagen hat leider ein weiterer Zwischenfall meine Reise ein wenig getrübt. Ich hoffe allerdings sehr, dass das nicht erst der Auftakt zu einer monatlichen "Kleine Ursache, große Wirkung"-Reihe ist, sondern das ich von weiteren Problemen verschont bleibe.

Diesmal war der Übeltäter kein Eis, sondern viel kleiner: ein Insekt. Der Schaden, der von diesem Insekt angerichtet wurde, war jedoch dafür (im Verhältnis) ungleich größer.

Ich spreche nämlich nicht vom simplen Juckreiz, der nach einem Insektenstich oder -biss üblich ist – der wäre ja harmlos gewesen. Nein, dieses spezielle gemeine Biest war offensichtlich mit Bakterien infiziert, was mir eine ausgewachsene bakterielle Infektion (Zellulitis (*) und Phlebitis, um genau zu sein) eingebracht hat.

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Cathedral Cove

Am Abend des 13. November hat mich offensichtlich besagtes Insekt ins Handgelenk gestochen oder gebissen; kurz vorm Schlafengehen habe ich jedenfalls den ersten Juckreiz gesprürt, aber nicht mehr. Am nächsten Tag in der Früh hat mein Handgelenk bereit etwas geschmerzt, aber ich hab mir noch nichts dabei gedacht. Daher habe ich mich wie geplant auf den 45-minütigen Spaziergang zum Cathedral Cove gemacht, der selbst für die Coromandel Pensinula, die ja wahrlich mit schönen Plätzchen gesegnet ist, ein außergewöhnlich schöner Strand ist. Während des Hinwegs ist mein Handgelenk dann ziemlich angeschwollen, hat sich immer mehr gerötet, und hat immer mehr geschmerzt. Als ich dann am Strand angekommen bin, habe ich dann einen Park-Ranger, der zufällig anlässlich der feierlichen Eröffnung einer neuen ökologischen Toiletten-Anlage (!) (**) vor Ort war, nach möglichen giftigen Insekten gefragt. Der hat jedoch nur gemeint, das es so etwas in Neuseeland eigentlich nicht gebe, und mir zu Antihistaminika geraten (falls es eine allergische Reaktion sein sollte).

Kurze Zeit später hat sich die Rötung dann jedoch entland einer Vene am Arm nach oben bewegt. Damit war für mich endgültig der Zeitpunkt erreicht, einen Arzt aufzusuchen. Als ich beim Auto (praktischerweise habe ich mir für die Erkundung der Coromandel Pensinula ein Mietauto geleistet) angekommen bin, hat die Rötung bereits den Ellenbogen erreicht. Mit Hilfe meines Unterkunftgebers habe ich dann (mühsam) einen Arzt gefunden, der mich noch am Nachmittag drannehmen konnte. Leider hat der erst knapp drei Stunden später, um 14.00 Uhr, aufgesperrt, und war etwa zwanzig Autominuten entfernt. So musste ich also noch in den nächsten Ort, Tairua, fahren. Auf dem Weg dorthin habe ich noch (weil ich praktisch daran vorbeigekommen bin, und ohnehin so viel Zeit hatte) einen kurzen Stopp am Hot Water Beach eingelegt, wo etwa zwei Stunden beiderseits der Ebbe warme Quellen (mit etwa 64° C heißem Wasser) aus dem Sand sprudeln. Da ich allerdings über drei Stunden vor der Ebbe am Strand war, habe ich nichts davon mitbekommen – und zum Warten war mir in meinem Zustand nicht gerade zumute.

So habe ich also meine Fahrt fortgesetzt und dann vor dem Medical Center in Tairua auf den Arzt gewartet. Als die Praxis endlich aufgesperrt hat, war die Rötung schon fast bei der Schulter und mein Handgelenk hat höllisch wehgetan. Als die Stationsschwester meinen Arm gesehen hat, hat sie gleich bestimmt gemeint: "Alright, he is next!". Der Arzt hat schließlich obige Diagnose gestellt und mir Antibiotika verschrieben, die ich gleich in der Apotheke abgeholt habe.

In meinem Zustand war an eine Weiterfahrt (eigentlich wollte ich ja noch ins vier Autostunden entfernte Waitomo) nicht zu denken (außerdem hätte ich die abenteuerliche Höhlenerkundung mit Abseilen, Klettern, Schwimmen, etc., die ich dort vorhatte, ohnehin nicht machen können). Daher habe ich mir im Ort ein Quartier gesucht, jenes in Waitomo storniert, und die nächsten eineinhalb Tage Antibiotika-schluckend und mit bis zu 39,2° C Fieber vorwiegend im Bett verbracht. Mittlerweile bin ich wieder fieberfrei und nach Rotorua weitergefahren. Hier gönne ich mir jedoch auch noch einen eher ruhigen Tag, bevor ich wieder mit intensiverem Sightseeing beginnen werde. An jegliche Aktivität, die meinen rechten Arm zu stark belastet, ist ohnehin noch nicht zu denken (auch wenn ich bei langsamen Bewegungen eigentlich schon schmerzfrei bin, aber schonen muss ich ihn trotzdem noch).

In den zwei Tagen vor diesem Zwischenfall konnte ich aber wenigstens ein wenig die wunderschöne Coromandel Peninsula erkunden. So habe ich beispielsweise eine Wanderung am Kauaeranga Kauri Trail gemacht, der teilweise über aus dem Fels gemeißelte Stufen (!) aus dem Tal einen Berghang hinauf führt. Vom oben hat man dann tolle Ausblicke über den Coromandel Forest. Außerdem bin ich über eine (anstrengend zu fahrende) Schotterstraße bis zum nördlichsten Punkt der Halbinsel gefahren, und bin dort etwa ein Drittel des Coromandel Walkway, der die Nordküste entlang führt, und einige grandiose Ausblicke auf dieselbe abgibt, entlang gewandert (zu mehr war leider nicht genug Zeit). Schließlich habe ich auch einige der wenigen noch verbliebenen Exemplare der Kauri-Bäume gesehen.

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Felsstufen

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Kauri-Bäume

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Kauaeranga Valley


(*) nicht zu verwechseln mit Cellulite, auch Orangenhaut genannt

(**) Wie läuft so eine Toiletten-Eröffnung eigentlich ab? Nun ja, im Wesentlich ganz so wie jede Eröffnung eines Gebäudes: Zuerst wird eine Rede gehalten, während der (im vorliegenden Fall) ein Ranger berichtet, wie schwierig das ökologische Entleeren der Toiletten früher war, und wie einfach es jetzt ist. Während der Rede will dann schon jemand vorschnell ins Gebäude stürmen, wird aber aufgehalten und um etwa fünf Minuten Geduld gebeten, bis die Eröffnungszeremonie vorüber ist (was die betreffende Dame gar nicht lustig gefunden hat). Dann wird die Toilette feierlich für eröffnet erklärt, und gibt es gibt zur Feier des Tages Kekse, Erdbeeren und Orangensaft. Schließlich wird noch eine Tour durch den Komplex angeboten.

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