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A Truly Great Walk

In Neuseeland sind die besten Mehrtageswanderungen als "Great Walks" zusammengefasst. Eine dieser Wanderungen, den Milford Track, habe ich in den letzten vier Tagen komplett "erwandert" und kann nun mit Sicherheit sagen: Diese Auszeichnung hat er sich ohne Zweifel verdient!

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Lake Te Anau

Die Wanderung beginnt (paradoxerweise) mit einer Bus- und Bootsfahrt, denn der Track beginnt am Nordende des Lake Te Anau, das anders nicht zu erreichen ist. Bedingt durch die hohe Popularität, aber die beschränkten Plätze in den Hütten, ist die Anzahl der Wanderer auf 40 pro Tag limitiert. Außerdem bekommt man die Route fix vorgeschrieben, weshalb die Wanderung am ersten Tag nur eine gute Stunde lang ist – also sozusagen bestenfalls zum Aufwärmen dient. Dank des strahlend blauen Himmels konnten wir den Nachmittag aber bei einem Wasserloch bzw. vor der Hütte in der Sonne genießen.

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Start des Milford Track

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Clinton River

Am zweiten Tag hat uns eine rund fünfstündige Wanderung durchs Tal des Clinton River zur nächsten Hütte gebracht. Dieses Gletschertal bietet die ersten wirklich atemberaubenden Ausblicke auf die Schönheit von Fiordland. Erfreulicherweise haben wir auch diesen Teil der Wanderung bei Sonnenschein genießen können.

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Clinton Valley

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Clinton Valley

Am dritten Tag ist schließlich der Höhepunkt der viertägigen Wanderung auf dem Programm gestanden: die Überquerung des 1073 Meter hohen MacKinnon Pass. Der Aufstieg mit dem ganzen Gepäck war zwar anstrengend, aber nicht ganz so schlimm wie befürchtet – und die Aussicht von oben hat für alle Strapazen mehr als entschändigt! Der Blick hinunter ins Tal des Albert River, das wir am nächsten Tag entlang wandern sollten, war wirklich atemberaubend.

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Blick vom MacKinnon Pass

Oben auf dem Pass befindet sich auch ein Emergency Shelter, wo man bei schlechtem Wetter Unterschlupf finden kann, was wir erfreulicherweise nicht machen mussten; der Himmel war erneut strahlend blau – und das in Fiordland, wo es durchschnittlich mehr als 200 Tage pro Jahr regnet! In unmittelbarer Nähe steht die Toilette mit der besten Aussicht in ganz Fiordland (Zitat aus der Track-Broschüre), was man beim Blick aus dem Fenster des Plumpsklos gerne glauben mag:

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Sutherland Falls

Vom Pass sind wir dann eben ins Tal des Albert River abgestiegen. Am Talboden führt ein kurzer Abstecher zu den Southerland Falls, die mit 580 Metern Höhe (allerdings in drei Teilen) die höchsten Wasserfälle Neuseelands und die fünfhöchsten der Welt sind.

Nachdem diese Passüberquerung auf den 24. Dezember gefallen ist, haben wir am Abend noch ein wenig Weihnachten gefeiert, indem jeder alles Süße, das er/sie bis dahin noch mitgeschleppt hat, der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt hat. Vor allem zwei belgische Mädels haben sich da als Retter des Abends einen Namen gemacht. Außerdem haben wir die vierte Nacht von Chanukka, dem jüdischen Lichterfest, gefeiert, denn zufälligerweise sind zehn (!) der 40 Wanderer in unserer Gruppe Israelis.

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Milford Track

Am vierten Tag sind wir schlussendlich mehr oder weniger ebenaus den Albert River entlang durch den Regenwald zum Sandfly Point am Milford Sound gewandert, wo uns ein Boot abgeholt und wieder zurück in die Zivilisation gebracht hat.

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Sandfly Point

Der Name des Endpunktes weist auch schon auf den einzigen negativen Aspekt des Track hin: Es wimmelt entlang des gesamten Weges (mit Ausnahme des Passes) nur so von Sandflies. Wer von diesen gemeinen Biestern noch nie etwas gehöhrt, der stelle sich ein Insekt von der Größe einer Fruchtfliege (also nur wenige Millimeter groß, Anm.) vor, das einen (mit Vorliebe rund um den Knöchel oder auf Außen- bzw. Innenseite der Füße) beißt, um einem (wie eine Gelse) das Blut herauszusaugen. Diese Viecher findet man nun millionenfach (!) am Milford Track. Wenn man schließlich noch weiß, dass jeder Biss leider (wie bei einer Gelse) einen furchtbar juckenden Tippel zur Folge hat, kann man sich ungefähr vorstellen, wie unangenehm diese Sandflies sein können.

Am Abend des dritten Tages habe ich es tatsächlich "geschafft", am linken Fuß auf jedem Zeh (!) einen Sandfly-Biss zu haben, und (ich übertreibe nicht!) sogar einer meiner Sandfly-Tippel hatte schon einen Sandfly-Tippel. Wenn man jedoch bedenkt, dass die beiden Unterschenkel eines der Israelis in unserer Gruppe bereits am ersten Abend so ausgesehen haben, als hätte er die Masern, bin ich aber ohnehin noch gut davongekommen.

In diesem Zusammenhang soll schlussendlich auch eine Maori-Legende über die Entstehung der Fjorde nicht unerwähnt bleiben, die passender nicht sein könnte:

Tu-te-raki-whanoa formte die Fjorde mit seiner Axt Te Hamo. Er begann im äußersten Süden, wo er eine raue Küste mit vielen Inseln erschuf. Als er schließlich den Milford Sound erreichte, hatte er seine Technik bereits perfektioniert, und formte einen atemberaubenden Fjord. Piopiotahi (Milford Sound) war seine größte Leistung. Die Göttin der Unterwelt, Hine-nui-te-po, kam zu Besuch, um das Werk von Tu zu sehen, und war dermaßen gefesselt von der Schönheit des Fjordes, dass sie gar nicht mehr fortgehen wollte. Sie fürchtete, anderen könnte es schließlich ähnlich ergehen. Um die Menschen also zu ermutigen, nicht zu lange zu verweilen, erschuf sie die Sandfly!

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