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Krakau, die alte polnische Königsstadt

In den letzten zwei Tagen habe ich Krakau erkundet – und war positiv überrascht, wie gut mir diese Stadt gefallen hat.

Den ersten Tag wollte ich ursprünglich mit eigenständigem Durch-die-Gassen-Schlendern verbringen, habe mich aber dann doch zwei (Gratis)-Stadttouren angeschlossen, und dabei die Stadt (und einige Geschichten über sie) genauer kennen gelernt.

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Rynek mit den Tuchhallen

Wer hätte beispielweise gedacht, dass die Reste der Stadtmauern im Norden angeblich nur deshalb erhalten geblieben sind, weil verhindert werden sollte, dass der Wind vom Norden durch die Stadt fegt und die Röcke der Damen anhebt? Oder wer (der nicht im Ostblock aufgewachsen ist) hätte vermutet, dass der erste McDonald's der Stadt eine solche Attraktion war, dass man bis zu sechs Stunden (!) anstehen musste, um einen Burger kaufen zu können? Am bekanntesten (weil in jedem Reiseführer zu finden) ist noch die Legende des Ursprungs des Turmbläsers: Angeblich hat ein Trompeter am Turm der Marienkirche mit seinem Trompetenspiel vor herannahenden Feinden gewarnt, und wurde während des Spielens von einem feindlichen Pfeil in die Kehle getroffen – weshalb heute das stündliche Trompetenspiel vom Turm noch immer mitten in der Melodie abrupt abbricht.

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Rathausturm

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Marienkirche

Die zweite Tour am Nachmittag (ins "Jüdische Krakau") hat mich schließlich auch in Gegenden geführt, in denen ich alleine wohl nie gelandet wäre. Auch diesmal wurden uns einige Geschichten aus der (jüdischen) Geschichte der Stadt näher gebracht, so zum Beispiel über den angeblich "ärmsten Jude der Stadt", der sich eine eigene Synagoge bauen konnte: Gott sei ihm im Traum erschienen, und habe ihm einen Schatz an der Karlsbrücke in Prag versprochen. Dort angekommen sei er von der Wache verlacht worden: "Ja, das habe ich auch über Krakau geträumt!" So sei er nach Hause zurückgekehrt, und habe dann in seinem Garten eine Truhe voll Gold gefunden, womit er die Synagoge finanzieren konnte. (In Wahrheit war er einfach ein reicher Bankier; Anm.)

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Jüdisches Krakau

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"Brücke der Verliebten"

Heute Vormittag war dann dem Wawel, der ehemaligen Königsresidenz, gewidmet. Hier war jedoch die Erkundung auf eigene Faust am Interessantesten – die Führung durch die königlichen Gemächer war dermaßen gehetzt, und unserer Führerin hat dermaßen schnell die trockenen Fakten heruntergerasselt, dass mir schon allein vom Zuhöhren der Atem ausgegangen ist.

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Denkmal für Papst Johannes Paul II.

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Wawel-Drache

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Kapelle der Hl. Kinga
(© Cédric Puisney)

Am Nachmittag habe ich dann noch der Wieliczka-Salzmine einen Besuch abgestattet. Auch wenn das Herumspazieren in hundert Metern (!) Tiefe spannender klingt als es tatsächlich ist (einfach weil man diese Tiefe nicht so wirklich mitkriegt), ist die Mine trotzdem einen Besuch wert, und sei es nur für die Kapelle der Hl. Kinga: Ein 54 × 18 × 12 Meter (!) großer Raum, 101 Meter unter der Erdoberfläche, komplett aus Salz geschnitzt – einschließlich aller Statuen, des Wandschmucks und sogar der Luster!

Ähnlich beeindruckend war dann noch eine 36 Meter hohe (ebenfalls aus dem Salz geschnitzte Kammer), die von einer exzessiven Holzkonstruktion gestützt worden ist. Ganz normal, aber deswegen wieder eigentlich beeindruckend, waren wiederum die Toiletten im 130 Meter tiefen Restaurant.

Der Abschluss der Tour war dann nochmals ein echtes Bergwerkserlebnis: Die Fahrt nach oben absolviert man nämlich in einem echten (nur 1,90 Meter hohen) Grubenlift.

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