Volkszählung in Neuseeland

Heute bin ich nicht nur vom Kepler Track zurückgekommen, sondern heute ist auch "Census Day" in Neuseeland – es wird also eine Volkszählung durchgeführt. Dabei werden jedoch, wie zu erwarten wäre, nicht nur in Neuseeland heimische Personen erfasst, sondern jeder, der sich heute in Neuseeland aufhält – also auch ich!

Nun weiß also das neuseeländische Statistikamt meinen Namen, Geburtsdatum und -land, meine Adresse in Österreich (und dass ich in den letzten fünf Jahren innerhalb Österreichs umgezogen bin), dass ich mich der österreichischen Ethnie zugehörig fühle, und dass ich die heutige Nacht im YHA Te Anau verbracht habe.

Was macht also das Statistikamt mit diesen Informationen? Nun, anscheinend hat zumindest die Anzahl der Besucher in einer Stadt auch Auswirkungen auf die Verteilung öffentlicher Gelder, z.B. für Spitäler. Ob dafür wirklich all die erwähnte Information notwendig ist, sei dahingestellt.

Einheimische müssen natürlich noch einige Fragen mehr beantworten, beispielsweise nach Ausbildung und beruflicher Tätigkeit. Manche Fragen sind mir dabei besonders ins Auge gestochen:

  • Interessanterweise dürfen Frauen nicht nur die Auskunft über ihre Religionszugehörigkeit (das ist/war ja auch in Österreich Usus, wenn ich mich richtig erinnere), sondern auch über die Anzahl ihrer lebend geborenen Kinder verweigern. Es gibt dafür nämlich tatsächlich in beiden Fällen eine separate Antwortmöglichkeit!
  • Im Gegensatz dazu muss man (zumindest allgemein) über seine gesundheitliche Probleme (beim Sehen, Hören, Gehen, etc.) sehr wohl Auskunft geben. Da kann ich mir als einzige Erklärung auch wieder einen Zusammenhang mit der Spitalsplanung und/oder -finanzierung vorstellen.
  • Während ganz genau erhoben wird, wer im gemeinsamen Haushalt lebt (Ehemann/-frau, gleich- oder andergeschlechtlicher Partner mit/ohne eingetragener Partnerschaft, Kinder, Schwiegereltern, Mitbewohner, usw.), ist die Größe der Wohnfläche anscheinend vollkommen irrelevant.
  • Am komischsten finde ich aber die Frage nach dem Weg zur Arbeit: Es wird nicht erhoben, mit welchem Verkehrsmittel man etwa in der letzten Woche, dem letzten Monat, oder gar dem letzten Jahr vorwiegend zur Arbeit gefahren ist, sondern womit man am heutigen Tag den Großteil des Arbeitsweges zurückgelegt hat! Ob man da sinnvolle statistische Aussagen über den generellen Bedarf an Transportmitteln (was, laut einleitendem Text, unter anderem eigentlich erzielt werden sollte) tätigen kann, wage ich zu bezweifeln.

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