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Swanetien und der Große Kaukasus

Vor meiner Reise wurde ich mehrmals gefragt, warum ich mich für Georgien als Reiseziel entschieden habe. Die Bergwelt des Großen Kaukasus, die ich in den letzten vier Tagen erkunden konnte, war dabei ein wichtiger Grund – durchaus zu Recht, wie sich herausstellen sollte (zumindest wenn das Wetter mitspielt).

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Chalaadi-Gletscher

Die Wettervorhersagen im Vorfeld waren sehr widersprüchlich, was die Planung nicht gerade vereinfacht hat. (*) Im Endeffekt waren dann die ersten beiden Tage meines Aufenthalts leider ziemlich bewölkt und teilweise verregnet. Ich habe trotzdem zwei Wanderungen unternommen: zum einen zu einem Aussichtspunkt über dem Dorf Mestia (wo ich übernachtet habe), und zum anderen zum Chalaadi-Gletscher.

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Hängebrücke am Weg zum Chalaadi-Gletscher

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Während letztere Wanderung recht gemütlich ist, überwindet man bei ersterer auf einer Distanz von nur viereinhalb Kilometer fast 800 Höhenmeter. Ich war daher recht überrascht, dass ich oben nicht nur das koreanische Pärchen, dem ich unterwegs schon einmal begegnet bin, sondern auch eine Gruppe von fünf Georgiern mit einer Flasche Wodka und zwei Zwei-Liter-Flaschen (!) Bier angetroffen habe. Mir wurde gleich einmal ein Becher mit einem großzügigen Schluck Wodka in die Hand gedrückt; das mir beinahe gleichzeitig angebotene Bier konnte ich gerade noch ablehnen. Doch schon allein der Wodka war (auf leeren Magen) natürlich keine besonders gute Idee. Ich habe daher weitere Angebote dankend abgelehnt, und mich über meine mitgebrachte Jause hergemacht.

Während der Koreaner wie wild die Aussicht fotografiert hat, hat sich seine Freundin von den Georgiern so abfüllen lassen, dass ich mich schon gefragt habe, wie die wieder den Berg hinunter kommen will. Dann hat sich aber das Rätsel gelöst, wie die Georgier den Berg hinauf gekommen sind: mit einem Jeep über eine Forststraße! Daher haben sie uns angeboten, uns mit ins Tal zu nehmen, was ich für meinen Teil zuerst noch dankend abgelehnt habe. Als sie dann jedoch an mir vorbei gefahren sind, haben sie mich so energisch zu sich gewunken, dass ich mich dann doch habe breitschlagen lassen. So bin ich gemeinsam mit dem Koreaner in Embryohaltung im (recht kleinen) Kofferraum gelandet, während die fünf Georgier die „normalen“ Sitzplätze eingenommen haben, wobei die (mittlerweile praktisch dauernd vor sich hin kichernde) Koreanerin am Schoß des Beifahrers Platz genommen hat.

Die Fahrt war (auch wegen des schlechten Straßenzustands) dann so unbequem, wie sie sich anhört. Am Steuer ist außerdem erschreckenderweise nicht derjenige gesessen, der (soweit ich das beurteilen konnte) nichts getrunken hat. So habe ich die erstbeste Gelegenheit zur Flucht genützt und bin doch zu Fuß abgestiegen. Später (unten im Ort) sind die fünf übrigens fröhlich winkend an mir vorbeigefahren – sie haben die Fahrt also überlebt.

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Ushguli

Am dritten Tag meines Aufenthalts war das Wetter dann endlich besser, und ich habe die Gelegenheit für einen Ausflug nach Ushguli genützt. Dieser auf 2100 m Seehöhe liegende Ort gilt als höchster dauerhaft bewohnter Ort Europas. (**) Beliebt bei Touristen ist er vor allem wegen seiner vielen gut erhaltenen Wehrtürme (die es grundsätzlich in vielen Orten hier gibt). Diese stammen aus einer Zeit, in der in dieser Region viele Fehden ausgetragen wurden, und man sich immer wieder vor Feinden zurückziehen musste. Das Leben in so einem Wehrturm muss allerdings ziemlich hart und beengt gewesen sein: Der eine Turm, den wir unterwegs besichtigt haben, war nämlich nicht viel mehr als zwei Meter im Quadrat. Holzplanken bilden den Boden/die Decke jeder Etage (mit Löchern in gegenüber liegenden Ecken, durch die man über an die Wand gelehnte Holzleitern in die nächste Etage kommt), und ein paar Schießscharten die Fenster. Wie man es sich da im 12. Jahrhundert (als die ältesten erhaltenen Türme errichtet wurden) gemütlich machen konnte, ist mir ein Rätsel.

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Ushguli

Natürlich besticht Ushguli auch mit seiner schönen Lage inmitten hoher Berge. Ich bin beispielsweise das Shkhara-Tal ein wenig hinein gewandert und habe den tollen Blick auf den 5068  m hohen Mt. Shkhara genossen.

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Shkhara-Tal

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Mt. Shkhara

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Großer Kaukasus bei Mestia

An meinem letzten Tag habe ich erneut den anstrengenden Aufstieg zum erwähnten Aussichtspunkt über Mestia in Angriff genommen, weil der Himmel strahlend blau war – und die Anstrengung hat sich gelohnt, denn die Aussicht auf die umliegenden Berge war wirklich großartig! Angesichts des tollen Wetters wollte ich dann noch zu den weitere 500 m höher liegenden Koruldi-Seen weiter wandern. Nach insgesamt vier Stunden Gehzeit und 1200 überwundenen Höhenmetern habe ich jedoch gemerkt, dass es genug ist. Ich habe daher auf einer kleinen Anhöhe eine längere Pause eingelegt und die Aussicht genossen, bevor ich mich wieder auf den Weg ins Tal gemacht habe (diesmal vollständig per pedes, auch wenn wieder ein paar Touristen mit dem Jeep nach oben gefahren sind – diese Schummler!).

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Großer Kaukasus bei Mestia


(*) Im Endeffekt hat sich herausgestellt, dass nicht der georgische, sondern der norwegische Wetterdienst die genaueste Vorhersage geliefert hat. Anscheinend haben die Norweger genügend Erfahrung mit schwer einschätzbaren Wettersituationen.

(**) für eine bestimmte Definition von "Europa"

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