Georgien für Dummies

Nach langer Pause ist es endlich wieder einmal Zeit für eine weitere Ausgabe aus der Serie "Reisen für Dummies" – anlässlich meiner letzten Reise natürlich über Georgien.

Straßen und Transport

  1. Vor den Kreuzungen in den Städten Georgiens sind die Straßen mit netten Pfeilen verziert, die jedoch offensichtlich rein ästhetische Zwecke erfüllen und nichts mit der Richtung zu tun haben, in die die Autos dann tatsächlich fahren.
  2. Gelegentlich findet man auch Längsstreifen auf der Straße, die auf den ersten Blick sehr unseren Zebrastreifen ähneln. Als Fußgänger darf man allerdings nicht damit rechnen, dass dort das Überqueren der Straße auch nur im geringsten einfacher wäre als andernorts.
  3. Eine Sperrlinie auf der Straße darf nur im äußersten Notfall überfahren werden. Derartige Notfälle schließen ein (aber beschränken sich nicht notwenigerweise auf):

    • das Ausweichen von Hunden, Kühen, Schweinen oder Felsbrocken auf der Straße,
    • das Kurvenschneiden auf engen, kurvigen Bergstraßen,
    • das Überholen von langsameren Verkehrteilnehmern, oder
    • Hochzeitskorsos auf dem Weg zur Hochzeitsfeier.
  4. Damit derartige Not- nicht immer gleich zu Unfällen führen, hat der Straßenerhalter klugerweise vielerorts vorgesorgt und eigentlich zweispurige Straßen breit genug für drei Spuren gebaut.
  5. Leichte Mängel wie eine fehlende Stoßstange, Sprünge in der Windschutzscheibe, oder das Eindringen von Abgasen ins Fahrzeuginneren sind noch lange kein Grund, ein Auto zu verschrotten– solange man das Kennzeichen noch mit Draht festbinden, durch die Windschutzscheibe etwas erkennen, bzw. das Fenster aufmachen kann.
  6. Gebrauchtwagen sind in Georgien offensichtlich sehr beliebt. Andernfalls kann ich mir zumindest nicht erklären, warum so viele Lieferwägen deutsche Handwerker (mit deutscher Aufschrift!) bzw. (in den Bergen) rechtsgesteuerte (!) Geländewagen mit japanischem Inspektionsaufkleber unterwegs sind.
  7. Wer keinen Gebrauchtwagen besitzt, ist in Georgien nicht mit Bussen, sondern mit sogenannten Marschrutkas unterwegs. Diese Minibusse haben zwar so etwas wie einen fixen Fahrplan, aber als Tourist ohne Russisch-Kenntnisse (siehe unten) ist es manchmal nicht einfach, den herauszufinden. So kann es schon einmal passieren, dass man eine Stunde in einem ohnehin fast voll besetzten Minibus sitzt und auf die Abfahrt wartet. Erst kurz vor der Abfahrt weiß man dann zu schätzen, warum man sich auf diese Weise zumindest einen Sitzplatz gesichert hat: Wenn nämlich in der Marschrutka mit 14 Sitzplätzen 23 Passagiere mitfahren, dann wird es für jene ohne Sitzplatz doch ziemlich kuschelig. Bei der georgischen Fahrweise ist diese Enge aber mitunter auch von Vorteil, denn man kann dann zumindest nicht umfallen.
  8. Kühe sind in Georgien Teil des Straßenverkehrs, ja des täglichen Lebens. Das geht sogar soweit, dass man eine Kuh nicht nur auf Straße oder am Gehsteig, sondern auch am Kinderspielplatz antreffen kann.
  9. Dafür sind Wohnwagen nicht nur unbedingt auf der Straße, sondern auch in Häusern zu finden.

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Kuh am Kinderspielplatz

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Wohnwagen im Haus

Bevölkerung und Verständigung

  1. Die Georgier sind grundsätzlich ein sehr hilfsbereites und freundliches Volk.
  2. Das hindert Taxifahrer aber nicht daran, Touristen (oder vielleicht auch Einheimische?) übervorteilen zu wollen, etwa indem sie fehlendes Wechselgeld vortäuschen, oder gar gleich einen großen Geldschein mit gnädiger Miene akzeptieren, als ob sie einem damit einen Gefallen getan hätten.
  3. Viele Georgier, darunter auch zahlreiche der jüngeren Generation, bekreuzigen sich bis zu drei Mal, wenn sie auch nur an einer Kirche vorbei gehen. Bei der großen Kirchendichte in Georgien kann das durchaus in Arbeit ausarten.
  4. Georgier sind offensichtlich auch sehr fleißig, zumindest haben hier manche Geschäfte nicht nur 24/7, sondern laut Aufschrift sogar 24/24 geöffnet.
  5. Gleichzeitig leben Georgier aber auch nicht unbedingt gesund. Zumindest könnten sie in Sachen Nichtraucherschutz von Österreich noch etwas lernen – und das will ja bekanntlich etwas heißen! Vielleicht sollten sie bei den Zigarettenpreisen anfangen: Das billigste Päckchen Zigaretten kostet nämlich 1,50 GEL (umgerechnet nicht einmal 0,70 EUR).
  6. Will man sich mit Georgiern verständigen, hat man mit Russisch meist bessere Chancen als mit Englisch.
  7. Will man in Georgien etwas lesen, sollte man ein gutes Gedächtnis für Kringerl mitbringen – die georgische Schrift ist sehr gewöhnungsbedürftig. Manche Buchstaben erinnern aber an unsere (auch wenn sie andere Bedeutung haben), oder an stilisierte Gegenstände:

    • Das georgische O schaut aus wie unser M (ო).
    • Das georgische R schaut aus wie unser M mit einer Tilde darüber (რ).
    • Das georgische G schaut aus wie unser M mit einem Strich darunter (ღ).
    • Der Angelhaken ა ist ein A.
    • Der Schlüssel ბ ist ein B.
    • Der Dietrich გ ist ein (anderes) G. (*)

(*) An diesem Punkt habe ich aufgegeben.

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