Georgien für Wiederkehrer

Die Eigenheiten von Georgien haben sich seit meinem letzten Besuch im Vorjahr natürlich nicht wirklich geändert. Ich möchte hier aber (in Erweiterung des letztjährigen Artikels) auf ein paar besonders abstruse und/oder komische Erlebnisse zurückblicken.

  1. Schon die Taxifahrt vom Flughafen in die Jugendherberge hat mich mit wieder mit der georgischen Fahrweise vertraut gemacht: Bereits in der ersten (einspurigen) Linkskurve hat mein Taxi ein anderes rechts überholt.
  2. Der selbe Taxifahrer hat, wie sich herausstellen sollte, auch das Klischee des Fahrgast-Bescheißens erfüllt: Sein erstes Preisangebot war 65,– (wobei 25,– bis 30,– GEL der Normalpreis sind). Als ich mich wortlos umgedreht habe und weitergehen wollte, hat er mir gleich nachgerufen, wieviel ich denn zahlen wolle. Ich habe mit 25,– gekontert, er hat sein Angebot auf 35,– verbessert, und schließlich haben wir uns auf 30,– geeinigt. Als wird jedoch bei meiner Unterkunft angekommen sind, und ich ihm 30,– GEL in die Hand gedrückt habe (in weiser Voraussicht habe ich genau den passenden Betrag abgehoben), wollte er plötzlich 30,– USD haben. Es mag zwar sein, dass wir nie explizit die Währung erwähnt haben, aber ich habe ihm dann erklärt, dass nun einmal Lari die offizielle Währung von Georgien ist. Das hat er jedoch anscheinend nicht eingesehen und hat begonnen, das Auto aus der Sackgasse, wo meine Unterkunft war, zurückrollen zu lassen. Vier glückliche Umstände haben mich dann gerettet:

    1. Ich habe trotz der Dunkelheit schnell den Stift zur Aufhebung der Türverriegelung gefunden (denn die Zentralverriegelung hat beim Losfahren automatisch alle Türen versperrt).
    2. Das Auto war alt genug, dass es so einen Stift überhaupt gegeben hat.
    3. Nachdem ich dir Tür geöffnet hatte, hatte er offensichtlich Angst um seine Autotür und ist wieder stehen geblieben.
    4. Mein Gepäck ist neben mir am Rücksitz gelegen, sodass ich es einfach schnappen und aussteigen konnte.

    Die Moral von dieser G’schicht: Trau einem Taxifahrer nicht!

  3. Auch in anderen Belangen hat sich Georgien noch nicht wirklich weiterentwickelt. Beispielsweise dürften sie das Konzept eines Zebrastreifens noch immer nicht ganz verstanden haben:

    Der Zebrastreifen endet in der Mitte der Straße.

  4. Die Einbahnregelungen in Tbilisi sind übrigens mitunter wetterabhängig:

    Bei Regen Einfahrt verboten!

    Fairerweise muss ich aber dazusagen, dass es sich dabei um eine recht steile Straße mit Kopfsteinpflaster gehandelt hat. Möglicherweise kommt man die bei Regen tatsächlich nicht hinauf – oder man rutscht sie dann hinunter, und sie wollten den bergab fahrenden/rutschenden Autos einfach mehr Auslauf bieten.
  5. Doch auch bei anderen Dingen gibt es überraschende kausale Zusammenhänge: So scheint in Lagodekhi der Preis einer Wasserflasche von der Nationalität des Käufers abhängig zu sein. Zumindest hat sich folgender Dialog zwischen mir und einer Verkäuferin in einer kleinen Greislerei entsponnen, als ich freundlich lächelnd eine Flasche Wasser auf die Verkaufstheke gestellt habe.

    • Ich (auf die Flasche deutend): Just this. (in der Hoffnung, dass die Verkäuferin zumindest entweder Worte oder Geste versteht)
    • Verkäuferin: Where are you from?
    • Ich (schon leicht verwirrt): Austria.
    • Verkäuferin: Okay, 80 Tetri.

    Ich habe mich gar nicht mehr ausgekannt, habe aber (noch immer freundlich lächelnd) bezahlt, mich bedankt und verschiedet.

  6. Die Rechtschreibkenntnisse der Georgier in Englisch sind wohl noch ausbaufähig:

    Du you wont horse?

  7. Manchmal mangelt es aber auch an Grundlegenderem:

    Soup: Of range for me, today's the first (soup) ask staff.

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