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Maya-Gott und Markt-Getümmel

Um den Lago de Atitlán gibt es zahlreiche kleine Städtchen, sodass man wohl eine Woche lang Ort-Hüpfen betreiben könnte. Ich hatte aber nur einen Tag Zeit, daher habe ich mich für den (laut meinem Reiseführer) vom Tourismus noch am wenigsten beeinflussten Ort entschieden: Santiago Atitlán.

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Fahrt nach Santiago Atitlán

Als zusätzlicher Bonus war dieser noch dazu leicht vom Ort meiner Unterkunft zu erreichen, nämlich mit einer dreiviertelstündigen Bootsfahrt über den See. So habe ich schon auf der Hinfahrt ein paar schöne Ausblicke auf den See und die umliegenden Vulkane gehabt. Bei der Ankunft haben mich dann die mehrstöckigen Wohnhäuser etwas überrascht – das Städtchen ist mit 26.000 Einwohnern (bzw. 45.000 im Ballungsraum) doch etwas größer als gedacht.

Auf dem Weg von der Mole ins Stadtzentrum waren dann doch die typischen Touristengeschäfte (die mehr oder weniger überall dasselbe verkaufen) wie in einer Perlschnur aufgereiht. Außerdem wollten mir mehrere Touristenführer ihre Dienste anbieten. Die ersten beiden habe ich noch abgewimmelt; der dritte war etwas hartnäckiger. Nachdem er sich innerhalb kurzer Zeit selbst auf ein Drittel des ursprünglichen Preises heruntergehandelt hat, habe ich doch zugeschlagen, da es eine Attraktion gibt, die man praktisch nur mit Führer besuchen kann: den Tempel der Maya-Gottheit Maximón.

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Osterprozession

Zuerst haben wir aber noch kurz bei einer Osterprozession vorbeigeschaut. Nachdem sie gerade einmal aus ein paar Indigenen mit traditioneller Kleidung in den typischen Farben, einer kleinen Musikband und ein paar Männern mit ungebundenen Pflanzenschmuck, die im Takt der Musik rhythmisch nach rechts und links gewankt sind, bestanden hat, war es wirklich ein kurzer Besuch.

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Maximón
(Bild von Wikimedia Commons)

Danach sind wir mit dem Pickup(*) zu einem wenige Kilometer außerhalb des Stadtzentrums gelegenen, unscheinbaren Haus gefahren, in dem sich die Statue des Maximón befindet. Diese ist über und über mit Kleidung behängt: ein Hemd, ein braunes Sakko, darüber ein buntes Jacket, dazu unzählige Tücher und Krawatten um den Hals. Außerdem trägt sie eine Holzmaske, in der permanent eine Zigarette oder Zigarre steckt. Diese ganze Verkleidung ist deshalb notwendig, weil niemand die Original-Statue darunter zu Gesicht bekommen darf – andernfalls stirbt man nämlich innerhalb von zwei bis drei Tagen. Mit der ganzen Kleidung über der Statue ist man aber sicher, und kann seinen Wunsch dem (mehrsprachigen!) Gott darbringen (den passenden Obolus vorausgesetzt, vermutlich). Ich habe mich über die Tarifliste aber nicht weiter erkundigt, sondern nur die normale "Eintrittsspende"(**) entrichtet.

Der Raum rundherum ist ebenfalls dekoriert: Von der Decke hängen bunte Plastikfäden, Luftballone und (Mistel?-)Zweige, daneben stehen einige Heiligenstatuen (ebenfalls mit vielen bunten Tüchern um den Hals) und ein Glassarkophag geschmückt mit einer blau/lila blinkenden Lichterkette, in dem anscheinend der Vater Maximóns liegt. Ein wenig erinnert das ganze an das Haus des religiösen Führers in San Juan Chamula, nur halt noch weiter vom katholischen Glauben entfernt.

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Kirche

Abschließend sind wir zur katholischen Kirche im Ort gefahren, die überraschend leer ist: keine Kirchenbänke, nur ein paar Heiligenfiguren in lila oder türkisen Gewändern stehen an der Seite. Für die Osterprozession sind auch schon ein paar Plattformen mit Figuren bereitgestanden.

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Heiligenstatue

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Plattform für Osterprozession

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Fliegende Händlerin

Danach wurde ich mir selbst überlassen – der ursprünglich auch angesprochene Aussichtspunkt ist offensichtlich den Preisverhandlungen zum Opfer gefallen (was irgendwie zu erwarten war). Stattdessen habe ich mich ins Getümmel des lokalen Markts geworfen. Dort gibt es wirklich alles für den täglichen Bedarf zu kaufen: Neben Essen auch Kleidung, Schuhe, Medikamente, etc. Das Essen ist wiederum nicht nur auf Obst und Gemüse beschränkt. Es sind darüber hinaus unter anderem getrocknete Bohnen und Mais, Nüsse, kleine Fische und Shrimps (ungekühlt in großen Schüsseln, natürlich) und sogar lebende Hühner erhältlich. Letztere werden von ihren Besitzern mit einer Schnur am Bein herumgeführt und zur Schau gestellt. Manche kaufen aber offensichtlich gleich eine "Familienpackung" – zumindest habe ich später gesehen, wie ganze Körbe voller (noch immer lebender) Hühner abtransportiert worden sind.

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Getrocknetes

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Körbe voller (lebender) Hühner

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Lago de Atitlán

Nachdem ich genug von dem Marktgeschehen gesehen und auch einen kleinen Spaziergang rund ums Zentrum gemacht hatte, bin ich wieder zurückgefahren – diesmal mit dem Bus statt dem Boot, um ein paar andere Ausblicke zu bekommen. Zwar war die Straße streckenweise in einem furchtbaren Zustand (sodass ich mich gefragt habe, ob die Bootsfahrt trotz des am Nachmittag immer zunehmenden Windes und der damit höheren Wellen nicht doch angenehmer gewesen wäre), aber die Fahrt rund um den Vulkan San Pedro war landschaftlich wirklich sehr schön. Außerdem konnte ich so endlich einmal in einem "richtigen" Chicken-Bus unterwegs sein: Die Körbe voller Hühner vom Markt sind nämlich am Dach dieses Busses gelandet.


(*) nicht im Tour-Preis enthalten

(**) ebenso nicht im Tour-Preis enthalten

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