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Ich glaub‘, ich steh‘ im Wald

Die letzten dreieinhalb Tage meines diesjährigen USA-Aufenthaltes habe ich wandernd im Wald verbracht – und das, nachdem ich erst im Beitrag von Point Reyes gemeint habe, Wald könne ich daheim auch haben. Was ist also hier anders? Nun, ganz einfach: Redwoods (Küstenmammutbäume)!

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Avenue of the Giants

Meine erste Begegnung mit den Küstenmammutbäumen hatte ich bereits auf dem Weg nach Norden im Humboldt Redwoods State Park. Dieser Park wird vom Highway regelrecht durchschnitten, es gibt aber auch die (viel hübschere) Strecke über die "alte" Straße, nun "Avenue of the Giants" genannt – ein passender Name, denn die Mammutbäume säumen regelrecht Allee-artig die Straße.

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Founders Grove

Der Park erlaubt grundsätzlich stunden-, ja tagelange Erkundungen. Die meisten Touristen (so auch ich, da ich ja nur auf der Durchreise war) schlendern aber nur über kurze Rundwege durch ausgewählte Haine, die typischerweise nach dem Mäzen benannt sind, die diesen Teil des Waldes durch Aufkaufen des Grundes vor der Abholzung gerettet hat. So habe ich Founders Grove, Rockefeller Grove und Grieg-French-Bell Grove besucht.

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Rockefeller Grove

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Grieg-French-Bell Grove

Darüber hinaus war ich in der Big Tree Area unterwegs, zu der ich meine einzige etwas längere Wanderung unternommen habe, weil mir im Visitor Center gesagt wurde, dass die (saisonale) Brücke, die diesen Bereich mit dem Parkplatz verbindet, noch nicht aufgestellt sei. Daher habe ich die Straßenbrücke genommen, und bin (auf der "richtigen" Seite des Flusses) zurückspaziert – mit dem Effekt, dass ich in der Big Tree Area erst recht über zahlreiche Touristengruppen gestolpert bin, die den Fluss einfach mittels eines umgestürzten Mammutbaum überquert haben.

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Wanderung zur Big Tree Area

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Big Tree Area

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Newton B. Drury Scenic Parkway

Die nächsten zweieinhalb Tage habe ich dann den eigentlichen Redwood National Park besucht, der sich aus mehreren State Parks zusammensetzt. Eigentlich wollte ich auch den nördlichsten, den Jedediah Smith Redwoods State Park besuchen, weil der (aufgrund seiner Abgeschiedenheit) noch die schönsten, alten Küstenmammutbäume haben soll. Mir war dann die Fahrt (fast zwei Stunden von meiner Unterkunft, und damit noch über einer Stunde mehr als der letztlich von mir gewählte Park) aber doch zu weit. Daher habe ich mich in den beiden vollen Tagen auf den Prairie Creek Redwoods State Park konzentriert.

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West Ridge Trail

Auch durch diesen Park führt eine Alle-artige Straße, der Newton B. Drury Scenic Parkway. Von dieser führen zahlreiche Wanderwege weg. Ich bin als erstes den West Ridge Trail aufgestiegen – im noch herumziehenden morgendlichen Nebel eine fast schon mystische Angelegenheit. Danach ist es ins Tal des namensgebenden Prairie Creek weitergegangen, wo eine unglaublich üppige Vegetation zu finden ist. Dazu dann noch die riesigen Küstenmammutbäume – einfach fantastisch!

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Prairie Creek Trail

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Brown Creek Trail

Am Nachmittag habe ich dann nahen Brown Creek erkundet, der zwar nicht ganz so beeindruckend ist wie der Prairie Creek, aber trotzdem immer noch mit zahlreichen, hohen Küstenmammutbäumen aufwarten kann.

Am zweiten Tag im Prairie Creek State Park habe ich dann eine längere Wanderung (von 12 Meilen, also rund 20 Kilometer) unternommen: Zuerst bin ich über den Miners Ridge Trail vom Prairie Creek bis zur Küste gewandert. Dort sollte es über den Strand weitergehen, aber ich habe nicht auf meine Karte geschaut, und bin so auf der Staubstraße zwar in Richtung des nächsten Wanderweges, aber eben nicht in Richtung Strandzugang weiterspaziert. Bis ich meinen Fehler bemerkt habe, war ich schon zu weit, und habe daher meine Wanderung auf der Straße fortgesetzt. Bevor es wieder zurück in den Wald gegangen ist, habe ich aber noch einen schnellen Blick in Richtung Strand riskiert. Dabei bin ich auf ziemlich sumpfiges Hinterland gestoßen – vielleicht wäre der Strandausflug also ohnehin eine ziemlich nasse Angelegenheit geworden?

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Miners Ridge Trail

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Gold Bluffs Beach

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Fern Canyon

Danach galt es denn Fern Canyon zu durchqueren, der deswegen so heißt, weil auf seinen (steilen) unzählige Farne wuchern. Im Canyon gibt es keinen richtigen Wanderweg, sondern man sucht sich seinen eigenen Weg über behelfsmäßig über den Fluss gelegte Planken, oder über Steine und Baumstämme – da kommt fast ein bisschen Neuseeland-Feeling auf!

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Elch

Dann ist es auf dem James Irvine Trail wieder in Redwoods-Revier gegangen. Auch entlang dieses Weges waren wieder mächtige Baumriesen zu bewundern. Zurück am Parkplatz sind mir schließlich noch ein paar Elche praktisch direkt vor die Nase gelaufen.

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James Irvine Trail

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Da ich diese Wanderung in nicht einmal fünfeinhalb Stunden schneller als gedacht absolviert habe, habe ich am Rückweg noch einen Stopp bei den Trillium Falls eingelegt. Diese Wasserfälle sind zwar ganz nett, aber die wahre Attraktion waren auch dort die umliegenden Küstenmammutbäume. Leider war aber der Lärm des nahen Highway nicht zu überhören – im Gegensatz zur Wanderung zuvor, wo es (außer gelegentlichem Vogelgezwitscher) im Wald wirklich komplett still war.

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Trillium Falls Trail

Heute, am Tag meiner Heimreise, habe ich noch im Lady Bird Johnson Grove vorbeigeschaut. Dieser Hain liegt (was eher unüblich ist) auf einer kleinen Anhöhe, sodass der kalifornische Nebel durch den Wald gewabbert ist. Gemeinsam mit der geradezu gespenstischen Stille (abgesehen vom Platschen der Wassertropfen, die aus dem Nebel kondensiert sind) hat der Hain das Flair eines verwunschenen Märchenwaldes gehabt.

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Lady Bird Johnson Grove

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Küstenmammutbaum vs. Bernhard

Alles in allem waren die riesigen Küstenmammutbäume sehr beeindruckend und ein guter Abschluss meiner Reise – bei einer Höhe von mitunter rund 100 Metern aber fotografisch eine ziemliche Herausforderung. Der geneigte Leser muss mir diese Größe also einfach glauben (oder selber hinfahren). Allein die Tatsache, dass ein Stamm durchaus dicker sein kann als ein Bernhard hoch ist, bietet aber schon eine gute Indikation dafür, dass die Mammutbäume ihren Namen zurecht tragen.

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