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Entspannen in Loutro

Die letzten drei Tage meines Kreta-Aufenthalts habe ich im abgeschiedenen Loutro an der Südküste verbracht, das nur per Fähre oder per pedes erreicht werden kann. Zwar war einer der drei Tage durch Regenschauer etwas getrübt, aber es war trotzdem ein schöner Abschluss meines Urlaubs.

Beim Aufstehen am ersten Tag (um 7:30 Uhr) war es ja noch recht sonnig, doch als ich eine Stunde später bereit zum Aufbruch war, hat es schon deutlich zugezogen. Ich habe trotzdem den Küstenwanderweg in Richtung Chora Sfakion, dem Nachbarort mit Straßenanschluss, in Angriff genommen: zum einen, um meine Schlechtwetter-Alternative für die Abreise (falls die Fähre nicht verkehren sollte) auskundschaften, und zum anderen, um meine Barschaft aufzustocken. Ich habe nämlich übersehen, dass meine Unterkunft zwar eine Kreditkarte zur Sicherung der Buchung verlangt hat, für die tatsächliche Bezahlung aber keine Kreditkarten akzeptiert. Um dann nicht gar am letzten Tag vor der Wahl zu stehen, die Zeche im Restaurant zu prellen oder gar nichts zu essen, um meine Hotelrechnung bezahlen zu können, schien das die sinnvollste Möglichkeit (da es in Loutro keinen Bankomaten gibt).

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Wanderweg von Loutro nach Chora Sfakion

Überraschenderweise waren trotz der frühen Uhrzeit schon recht viele Wanderer unterwegs: Knapp nach Verlassen des Ortes habe ich eine Gruppe Franzosen überholt, und bald darauf bin ich auf eine Gruppe Skandinavier gestoßen, die gerade versucht haben, unbeschadet an einem Insektennest vorbeizugelangen. Im Vorfeld habe ich wohl schon Warnungen vor zahlreichen Bienen in der Gegend gehört; in diesem Fall handelte es sich aber um Hornissen-große, sehr aggressive Viecher, die einen harmlosen Wanderer auch dann attackieren, wenn er einfach nur vorbeigehen will. Dank der Vorwarnung habe ich eine Attacke (Handtuch-wachelnd und im Laufschritt) vermeiden können – was wohl sehr gut war, denn danach hat mir noch der erste der Gruppe berichtet, dass er nach einem Stich am Vortag praktisch nicht schlafen konnte, weil sein ganzer Arm angeschwollen gewesen sei.

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Kretische Wildziege

In weiterer Folge habe ich meine Ohren gespitzt und immer dann, wenn ich ein Summen vernommen habe (was noch zwei Mal der Fall sein sollte), meine Beine in die Hand genommen. Auch den hier allgegenwärtigen kretischen Wildziegen bin ich lieber nicht zu nahe gekommen, sondern in gewissem Respektabstand vorbeigegangen.

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Glyka Nera

Nach rund einer Stunde habe ich schließlich den Strand "Glyka Nera" erreicht. Da es mittlerweile komplett bewölkt war, habe ich keine Badepause eingelegt, sondern bin gleich nach Chora Sfakion weitergegangen. War der Weg bis dorthin noch recht harmlos und (fast) eben, so ist er danach zu einer kleinen Kletterei über Felsbrocken ausgeartet und schließlich in Serpentinen, die teilweise in die Felswand gesprengt waren, übergegangen. Damit war auch klar, dass bei so schlechtem Wetter, dass die Fähre nicht fährt, dieser Weg wohl auch keine Alternative ist.

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Aufstieg in Richtung Chora Sfakion

Während ich noch die Serpentinen hinauf gestiegen bin, hat es zum ersten Mal zu tröpfeln begonnen. Nachdem es danach immer finsterer geworden ist, habe ich meinen Plan mit Baden am Glyka-Nera-Strand am Rückweg verworfen, und bin stattdessen mit der Fähre zurückgefahren. Meine Wadeln waren darüber (nach der gestrigen Wanderung) auch ganz froh.

Im Laufe des restlichen Vormittags habe ich immer wieder noch versucht, es mir auf der Terrasse meines Quartiers gemütlich zu machen, doch mich hat immer innerhalb kürzester Zeit der nächste Regenschauer wieder nach drinnen vertrieben. Während ich zum Mittagessen in einem Restaurant (zum Glück unter einem Sonnendach) gesessen bin, hat dann der erste heftige Platzregen eingesetzt, dem im Laufe des Nachmittags noch einige weitere folgen sollten. (*) So habe ich halt von meinem Zimmer aus mit Hilfe meiner Reiselektüre eine Reise ins Land der Fantasie unternommen. (**)

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Türkisches Kastell

Der zweite Tag war schon wieder sonniger. Nach dem Frühstück bin ich rund ein halbes Stündchen auf den Felsen rund um Loutro herumgekraxelt, bevor ich mich entschieden habe, den Tag am Strand von Marmara (eine Bucht weiter) zu verbringen. Praktischerweise gibt es ein Bootsshuttle dorthin, weil der Stand als einer der schönsten in der Gegend gilt und auch Ausgangs- bzw. Endpunkt einer beliebten Wanderung durch die Aradena-Schlucht ist. Warum er gar als schönster Strand angesehen wird, war mir nicht ganz klar, aber das Faulenzen auf einer Sonnenliege und das Schwimmen im kristallklaren Wasser war schon ganz nett.

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Aradena-Schlucht

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Marmara

Am heutigen letzten (Halb-)Tag meines Aufenthalts wollte ich eigentlich noch für eine Stunde ein Kajak ausborgen – aber das ist allein immer schwierig. Ich hätte zwar gehofft, dass sie das hier in Griechenland etwas entspannt sehen, aber als ich meinen Wunsch nach einem Einzelkajak geäußert habe, hat es geheißen, ich solle besser noch etwas warten, die Wellen seien derzeit zu hoch. Zwar war es schon etwas windig (und daher auch etwas wellig), aber so schlimm hat es für mich eigentlich nicht ausgesehen. Ich wollte aber nicht diskutieren und/oder betteln müssen, also bin ich nur schnorcheln gegangen. Dabei habe ich überraschenderweise sogar mehr Fische als am Vortag gesehen – allerdings auch drei LKW-Reifen, eine Kühlschranktür und ein Metallkanister für Olivenöl.

Danach hieß es Abschied nehmen von sommerlichen Gefilden. Jetzt bleibt nur noch eine Fährfahrt nach Chora Sfakion, eine Busfahrt nach Chania und ein Flug nach Wien, dann bin ich schon wieder daheim – wenn die Fähre fährt (das schaut schon mal gut aus) und der Flieger fliegt! (***)


(*) In diesem Zusammenhang hat mich wieder einmal die Genauigkeit des Norwegischen Meteorologischen Instituts beeindruckt: Ab 10:00 Uhr bis zum späten Nachmittag wurde Regen vorhergesagt. Die ersten Regentropfen habe ich um 9:45 Uhr gespürt, und kurz vor Sonnenuntergang hat es begonnen, ein wenig aufzuklaren.

(**) Ach, Fitz!

(***) NIKI, lass mich nicht hängen!

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