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Die schiefen Türme von Bologna

Das verlängerte Wochenende rund um den Nationalfeiertag habe ich für einen Abstecher nach Norditalien genutzt. Heute habe ich elf Stunden in Bologna verbracht – nicht viel, aber genug für einen ersten Eindruck.

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Piazza Maggiore

Bedingt durch meine frühe Ankunft (um 5:41  Uhr per Nachtzug) konnte ich der Stadt beim Aufwachen zuschauen: Kurz vor acht Uhr haben die ersten Bars und Cafés aufgemacht, bald darauf sind immer mehr Vespas durch die Straßen geknattert, und bis neun Uhr war das Stadtzentrum voller Leute auf dem Weg in die Arbeit (oder zumindest zum ersten Kaffee). Gleichzeitig hat die aufgehende Sonne die Gebäude in einen schönen roten Schein getaucht.

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San Francesco

Viel mehr als das zu beobachten konnte ich auch gar nicht machen, denn die wenigsten Touristenattraktionen haben vor neun (oder gar zehn) Uhr aufgesperrt. Gerade einmal ein Spaziergang zu San Francesco ist sich ausgegangen.

Danach habe ich mir das Rathaus im Palazzo D’Accursio mit seinem prunkvollen Sitzungssaal von innen angeschaut.

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Palazzo D'Accursio

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Sitzungssaal

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Torre degli Asinelli

Anschließend wollte ich nur kurz bei der Touristeninformation vorbeigehen um mir einen (analogen) Stadtplan zu besorgen. Dabei habe ich aber auch gleich erfahren, dass man für mein nächstes anvisiertes Ziel, den Torre degli Asinelli, im voraus Tickets kaufen muss, die es nur in besagter Touristeninformation (und im Internet) in 45-Minuten-Abständen gibt. Glücklicherweise hat es für den 15  Minuten später beginnenden Zeit-Slot noch Tickets gegeben, was sich mit rund fünf Minuten Fußweg gut ausgegangen ist.

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Stiegenhaus im Torre degli Asinelli

Dort angekommen war auch gleich klar warum sie dieses Prozedere gewählt haben: Zum einen ist dort einfach kein Platz für ein Tickethäuschen, und zum anderen ist das Stiegenhaus im Turm so eng, dass es selbst zum Stau kommt, wenn alle in dieselbe Richtung unterwegs sind. Die Dauer der Zeit-Slots hat sich dann schließlich durch die Dauer des Aufstiegs ergeben: Man braucht doch einige Minuten, bis man die 498 Stufen des 97,2 Meter hohen Turms(*) erklommen hat.

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Torra della Garisenda

Der Turm ist übrigens einer der wenigen noch existieren Geschlechtertürme der Stadt und bildet mit seinem unmittelbaren Nachbarn, dem Torre della Garisenda , die "Due Torri" (zwei Türme) – um genau zu sein, die zwei schiefen Türme. Beim (höheren) Torre degli Asinelli merkt man die 1,3 Grad Neigung eigentlich gar nicht, doch der andere Turm ist merkbar schief (wenn auch auf Fotos schwer einzufangen). Mit seiner Abweichung von vier Grad von der Senkrechten schlägt er sogar den schiefen Turm von Pisa (angeblich) um 0,03 Grad.

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Bologna vom Torre degli Asinelli

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Basilica di San Petronio

Danach habe ich der Basilika von San Petronio einen Besuch abgestattet. Diese ist übrigens die fünftgrößte Kirche der Welt und hätte noch größer als der Petersdom werden sollen, doch da ist dann der damalige Papst eingeschritten. So gibt es auch heute noch an der Seite ein paar Stellen, wo die Basilika recht abrupt endet.

Ein weiteres Merkmal dieser Kirche ist der (66,8 Meter lange) Sonnenkalender am Kirchenboden: Durch ein Loch in der Decke scheint die Sonne zu Mittag in die Kirche hinein und beleuchtet so genau den dem aktuellen Tag zugeordneten Abschnitt der Bodenmarkierung. So sind angeblich auch die Unzulänglichkeiten des Juluanischen Kalenders zu Tage getreten – was schon sein mag, wenn man denn diesen Sonnenkalender zu lesen weiß, da er nämlich mit von mir nicht nachvollzieh- bzw. zuordenbaren Nummerierungen versehen ist.

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Palazzo dell'Archiginnasio

Nächste Station war der Palazzo dell’Archiginnasio , der ehemaligen Universität (und heutigen Bibliothek). Dessen Wände und Decken sind über und über mit Familienwappen bedeckt, doch das als Highlight gilt das Teatro Anatomico , der ehemalige Anatomie-Lehrsaal.

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Palazzo dell'Archiginnasio

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Teatro Anatomico

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Cortile di Pilato

Mein nächstes Ziel, Santo Stefano , war eigentlich gleich deren vier, denn so viele Kirchen sind dort miteinander verbunden. Zwei davon sind praktisch komplett schmucklos (nur noch blanke Ziegelwände), doch gerade das macht ihren Charme aus. Im Cortile di Pilate genannten Innenhof steht schließlich ein Steinbecken, in dem sich Pontius Pilatus angeblich nach der Verurteilung Jesus‘ seine Hände in Unschuld mit Wasser gewaschen hat. Paradoxerweise stammt dieses jedoch aus dem 8. nachchristlichen Jahrhundert. (**)

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Chiesa del Santo Sepolcro

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Santo Stefano


(*) der damit so hoch ist wie 12.270 Tagliatelle nebeneinander breit wären, wie die Broschüre (leider etwas falsch) vorrechnet

(**) Der muss lange aufs Händewaschen gewartet haben.

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