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Das spirituelle Herz Bhutans

Die letzten beiden Tagen waren dem Distrikt Bumthang gewidmet, der als „spirituelles Herz“ des Landes gilt: Dort befinden sich die ältesten Tempel Bhutans, und auch der Buddhismus in Bhutan soll dort seinen Ausgang genommen haben.

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Fahrt auf den Yatong La

Um dorthin zu gelangen, mussten wir zuerst aber wieder ins Gebirge(*): Es galt nicht nur einen, sondern sogar gleich zwei Pässe zu überwinden – Bhutan ist halt doch ein sehr gebirgiges Land.

Bedingt durch herumziehende Wolken haben sich uns anfangs nicht wirklich weite Blicke eröffnet. Dafür war es aber (mit den Wolkenschwaden) recht atmosphärisch. Die Farbtupfer durch vereinzelt blühende Rhododendron- und sonstige Bäume haben ihr Übriges dazu getan. Nach der Überquerung des ersten Passes, des Yatong La, hat sich dann langsam die Sonne durch die Wolken gekämpft. So konnten wir im Vorbeifahren unter anderem goldgelbe Rapsfelder, oder auch draußen vorm Schulgebäude spielende Schulkinder beobachten.

Den nächsten „Farbtupfer“ hat dann unser erster Stopp in Bumthang geboten: ein Textilgeschäft. Speziell der Osten des Landes ist bekannt für seine Webkunst, und auch wenn Bumthang noch in Zentralbuthan liegt, gibt es hier anscheinend ausgezeichnete Produkte aus Yak-Wolle. Manche meiner Mitreisenden haben praktisch das gesamte Lager leergekauft; selbst ich konnte der flauschigen Weichheit eines Schals aus Baby-Yak-Wolle nicht widerstehen.

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Rapsfeld

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Textilgeschäft

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Kiki La

Mit der Überquerung des zweiten Passes, des Kiki La, haben wir dann endgültig das Herz von Bumthang erreicht. Auf der Rückfahrt (zwei Tage später) haben wir bei diesem Pass auch kurz Halt gemacht, denn die Hunderten, wenn nicht gar Tausenden Gebetsfahnen haben ihn durchaus zu einer kleinen Attraktion gemacht. Die Blicke auf die schneebedeckten Berggipfel in der Ferne waren da dann noch eine nette Draufgabe.

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Jampa Lhakhang

Danach war der kulturelle Teil unseres Bumthang-Besuchs an der Reihe: Begonnen haben wir mit der Besichtigung des Jampa Lhakhang, eines der ältesten Tempel Bhutans. Der Legende nach wurde dieser Tempel (als einer von insgesamt 108) im 7. Jahrhundert auf dem Körper eines Dämonen erbaut, nachdem dieser erfolgreich bezwungen werden konnte. Ob dem wirklich so war, sei dahingestellt; jedenfalls übt der Tempel auch heute noch eine große Anziehungskraft auf bhutanesische Gläubige aus, und viele kommen hierher um 108 Runden um den Tempel zu ziehen. (**)

Danach haben wir den kulturellen Teil kurz für einen kulinarischen Exkurs unterbrochen: Wir haben (zum zweiten Mal) im Haus einer lokalen Bauernfamilie ein Mittagessen serviert bekommen, das wieder ausgezeichnet war. Danach konnten wir uns auch an zwei der „Nationalsportarten“ Bhutans versuchen: Dart-Pfeil-Werfen und Bogenschießen. Dabei mussten wir aber feststellen, dass die meisten von uns wohl eher nicht als Bhutanesen taugen.

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Bhutanesisches Essen

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Kurjey Lhakhang

Die nächste Station war dann der Tempelkomplex Kurjey Lhakhang, der aus zweierlei Gründen signifikant ist: Zum einen ist dort die Asche der ersten drei Könige Bhutans bestattet, und zum anderen soll dort Guru Rinpoche in einer Höhle meditiert und seinen Rückenabdruck im Fels hinterlassen haben. Das älteste Gebäude des Tempelkomplexes ist auch genau über dieser Höhle errichtet.

Den Abschluss des Tages hat dann der Jakar Dzong gebildet, der auf einer kleinen Anhöhe oberhalb der Stadt thront. Dieser Dzong ist einer der ältesten des Landes, denn an diesem Standort befand sich bereits im 16. Jahrhundert schon ein Kloster, das dann im 17. Jahrhundert (vom Staatsgründer Bhutans, der auch die meisten anderen Dzongs hat errichten lassen) in eine Festung umgebaut wurde.

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Jakar Dzong

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Natürlicher Tempel

Anderntags haben wir dann im Chhoekhor-Tal eine kleine Wanderung unternommen. Begonnen habe wir mit der Durchquerung des Flusstals des Dhur Chhu, wo sich ein „natürlicher Tempel“ zu Ehren der Männlichkeit und der Weiblichkeit befindet. Ein lokaler Dorfbewohner war gerade dabei, das Männliche und Weibliche der Felswand in knallendem Rot anzumalen, damit man das auch ja nicht übersehen kann.

Anschließend sind wir die (ruhige) Straße entlangspaziert, vorbei an einer „Gebetsmauer“ (mit der Aufschrift „Om mani padme hum“ in – vermutlich – 108-facher Ausfertigung), Bauernhäusern und Feldern, bis schließlich der Weg den Hügel hinauf in den Wald geführt hat.

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Wanderung im Chhoekhor-Tal

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Dhur Chhu


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Gebetsmauer

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Chhoekhor-Tal

Das Ziel unserer Wanderung war das Kloster Shuk Drak Goenpa, das in eine Felswand gebaut wurde, und daher den Spitznamen „Kleines Tigernest“ erhalten hat. Auch dort soll Guru Rinpoche in einer Höhle meditiert haben, und in ebendieser Höhle (direkt neben/hinter dem Tempel) befindet sich ein kleiner Schrein. Auch wir haben die Gelegenheit für eine kurze Meditation genutzt (worüber ein Mönch allerdings nicht besonders erfreut gewesen ist, da er anscheinend lieber alleine meditiert hätte).

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Shuk Drak Goenpa

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Tang-Tal

Am Nachmittag sind war dann noch ins benachbarte Tang-Tal gefahren, und haben dort das Nonnenkloster Pema Choling besichtigt. Anschließend sind wir noch ein über die Hügel und durch den Wald spaziert, die sich rund um das Kloster erstrecken, und haben dabei auch tolle Blicke auf einige Berggipfel in der Ferne genießen können.

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Pema Choling

Am Abend durften wir uns wieder als Bhutanesen ehrenhalber versuchen: Wir haben einige bhutanesische Gerichte gekocht (und dann auch verspeist). Beim Nationalgericht Chili mit Käse durfte ich nicht mithelfen (denn das machen anscheinend traditionell die Frauen, also haben das bei uns auch die Frauen aus unserer Gruppe übernommen), dafür durfte ich mich (gemeinsam mit den anderen Männern der Reisegruppe) an Kartoffeln mit Käse versuchen. Das Schneiden von gleichmäßig dicken, hauchdünnen Kartoffelscheiben ist mir dabei nur bedingt gelungen – vielleicht wäre es mit einem Schneidbrett (statt „freihändig“) einfacher gewesen.

Beim anschließenden Momo-Füllen durften dann sowohl Frauen als auch Männer ran. Die bhutanesische Köchin, die uns geduldig die (einfache) Art gezeigt hat, wie man solche Momos füllt und dann verschließt, hat sich mit Kommentaren ob unserer „kreativen“ Versuche nobel zurückgehalten. Ich muss aber sagen, dass ich mit dem zweiten selbstgefüllten Momo meines Lebens durchaus zufrieden bin: Die Verzierung mag nicht perfekt sein, aber zumindest von der Form her kann man es durchaus als Momo erkennen (siehe untenstehendes Foto).

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Chili mit Käse (vor dem Kochen)

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Mein zweites selbstgefülltes Momo

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Bauernhaus in Bumthang

Heute war es dann an der Zeit, Bumthang wieder Lebewohl zu sagen, und wir haben das Tal (wie bereits oben erwähnt) über den Kiki La wieder verlassen. Unterwegs haben wir (wie schon auf unseren Wanderungen in Bumthang) immer wieder Häuser mit traditionellen Bemalungen gesehen – oft sind das tierische Schutzgeister, wie etwa Tiger, Leopard, Garuda oder Donnerdrache. Manche der Schutzzeichnungen sind für westlichen Augen aber auch durchaus ungewöhnlich:

Zeichnung eines ejakulierenden Phallus' (samt zwei haariger Hoden) auf einer Hauswand, geschmückt mit einer grün-roten Stoffschleife rund um die Mitte des Penisschaftes


(*) Hierbei ist „Gebirge“ im österreichischen Wortsinn zu verstehen. Für bhutanesische Verhältnisse sind „Hügel“ von rund 3.000 Metern Höhe nichts Besonderes.

(**) Im Buddhismus gilt 108 als eine Art heilige Zahl. Es gibt verschiedene Erklärungen für die Bedeutung; unser Reiseleiter hat es uns wie folgt erzählt: 1 steht für den einen Buddha, 0 für dessen Reinheit (d.h. keine negativen Eigenschaften), und 8 für die acht Gebote Buddhas.

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