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Das kommunistisch-kapitalistische Saigon

Ich bin zu einer dreiwöchigen Reise durch Vietnam aufgebrochen, die ich in Ho-Chi-Minh-Stadt (dem ehemaligen Saigon) begonnen habe. Wenn man allerdings hier durch die Straßen des Stadtzentrums schlendert, könnte man glatt vergessen, dass man eigentlich in einem der letzten kommunistischen Ländern der Welt gelandet ist.

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Notre Dame

Entlang einer der Hauptstraßen sind nämlich die Designergeschäfte à la Louis Vuitton, Hermés, Dior und Gucci nur so aufgefädelt. (*) Dazwischen stößt man bei seinem Spaziergang auf französische Kolonialarchitektur aus dem späten 19. Jahrhundert: die Oper, die Kirche "Notre Dame" und das Postamt mit seiner wunderbar altertümlichen Kassenhalle. Auch bei "Onkel Ho" (Chi Minh) vor dem alten Rathaus muss man natürlich vorbeischauen.

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Postamt

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Wiedervereinigungspalast

Über die Geschichte des Landes kann man unter anderem im ehemaligen Präsidentenpalast (des Präsidenten von Südvietnam, natürlich), der jetzt "Wiedervereinigungspalast" heißt, und im Kriegsrestemuseum lernen.

In ersterem fühlt man sich im die 1960er-Jahre zurückversetzt, insbesondere in Räumen wie der Großküche, dem Funkraum und dem Kinoprojektorraum. Auch das Mobiliar ist designtechnisch auf der Höhe der 1960er. Ob es allerdings direkt den 1960ern als Epoche zuzuschreiben ist, dass im Keller auch ein Schießstand existiert, sei einmal dahingestellt.

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Kriegsrestemuseum

Während dort also die blutigen Aspekte der jüngere Geschichte des Landes nahezu vollständig ausgeblendet werden (bis auf die Ermordung des Präsidenten von Südvietnams 1963), ist das Kriegsrestemuseum dann viel direkter: Es gibt viele Bilder aus dem Krieg zu sehen, die von informativ über verstörend bis hin zu grausam variieren. Auf eine Bilddokumentation verzichte ich daher – abgesehen von nebenstehendem Kriegsgerät, das sich vor dem Museum befindet und den "gemäßigten" Teil der Ausstellung bildet.

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Altes Rathaus

Ebenso schwer tue ich mir mit der Bilddokumentation des Alltags in der Stadt, weil ich ja den Einheimischen nicht den Fotoapparat unter die Nase halten möchte. Abends ist es aber auf jeden Fall angesagt, (typischerweise zu zweit) auf der Umfriedung eines Parks hinter seinem geparkten Motorrad, auf winzigen Plastikstühlen vor einem Restaurant (mit dem Motorrad etwas weiter weg, aber auch am Gehsteig) oder auf seinem fahrenden Motorrad zu sitzen und durch die Stadt zu düsen. Eventuell flaniert man auch die von "Onkel Ho" überwachte Prachtstraße entlang (wegen Fahrverbot meist ohne Motorrad).

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Phung-Son-Tu-Pagode

Heute war ich dann etwas abseits der üblichen Touristenpfade unterwegs: Ich bin zu einem Nebenarm des Saigon-Flusses spaziert, der sich allerdings weniger vom Typ "Hipster-Donaukanal" als vom Typ "Wienfluss plus drei Mal Westausfahrt" präsentiert hat. Erst als von den 3+2 Fahrspuren je Richtung (allein auf meiner Seite des Flüsschens) je drei in einem Tunnel verschwunden sind, konnte ich mir schließlich auch vom Fluss selbst ein Bild machen (mehr Wasser als der Wienfluss, allerdings auch mehr Schlamm).

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Xa-Loi-Pagode

Ursprünglich wollte ich ja noch ins Chinesen-Viertel schauen, aber auch wenn die Hitze nicht so schlimm ist wie befürchtet, war es mir dann doch zu weit. So habe ich mit ein paar Tempel unterwegs vorlieb nehmen müssen – von außen, den entweder waren sie montags (also heute) geschlossen oder so ausgestorben, dass ich mich nicht getraut habe, die Ruhe zu stören.

Abends habe ich dann noch herausgefunden, wo die ganzen Touristen abhängen, wenn sie nicht das Postamt oder den Wiedervereinigungspalast bevölkern: in den Bars und Restaurants des Backpacker-Viertels. Ich habe schnell Reißaus genommen.


(*)  Den anderen typischen Export des westlichen Kapitalismus gibt es (allerdings leicht abseits dieser Straße) natürlich auch: McDonald’s.

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