Ich mag ja die Eisenbahn. Heute bin ich nicht nur damit gefahren, sondern habe eine (ganz spezielle) Bahnstrecke auch per pedes erkundet: Ich war auf dem (niederösterreichischen Teil vom) Semmering-Bahnwanderweg unterwegs, von Semmering bis Payerbach-Reichenau.
Die Anreise war dabei wieder ein (leider mittlerweile) typisches Bahn-Erlebnis: Ich habe extra den früheren Zug genommen, damit ich nicht nur nach vier oder fünf, sondern auch nach 26 Minuten einen Anschlussbus habe – und dann war dieser frühere Zug verspätet, wurde umgeleitet, vom späteren Zug währenddessen überholt, und ich habe keinen der beiden Busse erreicht.
Mit einer knappen Stunde Verspätung war ich dann aber doch am Semmering, und habe den Bahnwanderweg in Angriff nehmen können – oder, besser gesagt, ich hätte das gekonnt, wenn das erste Teilstück nicht gerade gesperrt wäre. Das habe ich aber immerhin im Vorfeld schon gewusst, also war ich auf einen kleinen Spaziergang durch den Ort Semmering vorbereitet. Dieser Teil war dann auch schnell erledigt, und so konnte bald ich auf den Wanderweg einbiegen. Dabei bin ich als erstes am (ich möchte fast sagen: den Ruinen vom) Grand Semmering vorbeigekommen, das wahrlich schon bessere Zeiten gesehen haben muss.
Dann waren aber schon die ersten beiden Aussichtspunkte an der Reihe: Zuerst die Doppelreiterwarte, und dann der sogenannte „20-Schilling-Blick“ (weil die vorletzte 20-Schilling-Note, in Umlauf von 1968 bis 1989, ebendiese Aussicht gezeigt hat). Bei ersterem hat ein Railjet auch hübsch für Fotos auf der Strecke entlang der Pollereswand posiert. Allerdings wurde auch offensichtlich, dass das Kalte-Rinne-Viadukt, das größte und imposanteste Viadukt der gesamten Strecke, wegen Bauarbeiten derzeit leider vollständig eingerüstet ist.
Davon habe ich mich aber nicht abhalten lassen, und bin weiter den Weg gemütlich durch den Wald bis zum Adlitzgraben-Viadukt spaziert. Auch dort hatte der Fahrplan eine Einsicht mit mir, und hat einen Intercity genau in jenen paar Minuten über das Viadukt geschickt, die ich dort kurz Pause gemacht habe. (*)
Kurz danach hat dann der echte Wanderweg begonnen: Während man zuvor nämlich noch, wie schon erwähnt, recht gemütlich durch den Wald spaziert ist, musste ich danach (für ein kurzes Stückchen sogar recht steil) in die Felswand oberhalb der Bahnstrecke aufsteigen, und dort auf einem schmalen Pfad im steilen Gelände wandern. Oberhalb der Bahnstrecke (aber unterhalb des Wanderwegs) waren auch Sicherungsnetze gegen Steinschlag verspannt – die Bahnstrecke muss also wohl jedenfalls geschützt werden; bei Wanderern scheint es egal, ob sie erschlagen werden. (**)
Erst kurz vorm Kalte-Rinne-Viadukt habe ich die steile Felswand wieder verlassen, und es ist (wieder recht gemütlich) unter dem Viadukt durch und in den Ort Breitenstein hinein gegangen. Kurz nach dem Ort hat mit der Weinzettlwand aber schon die nächste Felswand gewartet, diesmal wieder mit zwei Aussichtspunkten: der „Breitenstein-Blick“ hat einen Blick zurück über Breitenstein bis zum Kalte-Rinne-Viadukt erlaubt; vom „Semmering-Blick“ hat man nicht nur auf den Semmering, sondern auch talauswärts geschaut, was angesichts der recht schroffen Felswände, die das Tal begrenzt haben, durchaus beeindruckend war (und einen guten Platz für eine Mittagsrast geboten hat).
Danach ist der Wanderweg wieder ein wenig gemütlicher geworden: Es ging an Wiesen vorbei und durch den Wald in Richtung Klamm, immer wieder mit Blicken auf die Bahnstrecke und deren Viadukte. Rund um Klamm hat sich schließlich der Blick geweitet, und der Talübergang Schottwien vor dem Sonnwendstein hat zunehmend die Aussicht dominiert – mit ein paar blühenden Obstbäumen in den Gärten entlang des Wanderwegs im Vordergrund.
Unter normalen Umständen könnte man in Klamm dann in die Bahn steigen, um wieder nach Hause zu fahren, aber wegen den Bauarbeiten (unter anderem am Kalte-Rinne-Viadukt; siehe oben) waren zu diesem Zeitpunkt keine Nahverkehrszüge (und der Schienenersatzverkehr nur sehr sporadisch) unterwegs. Daher habe ich mich zu einem Abstieg direkt nach Payerbach-Reichenau entschieden, von wo aus wieder Züge nach Wien verkehrt sind. Das war eine recht idyllische Wanderung, auch wenn sich beim Abstieg dann schön langsam mein Knie begonnen hat zu melden. Gottseidank habe ich mich auch nicht in die Irre führen lassen: Der mit „Weg“ beschilderte Weg ist nämlich nicht der Richtige!
![Blick vom Semmering in Richtung Schneeberg [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/05/20260503_093604-360x231.jpg)
![Grand Semmering [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/05/20260503_100501-360x270.jpg)
![20-Schilling-Blick [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/05/20260503_103607-360x270.jpg)
![Blick von der Doppelreiterwarte auf die Pollereswand [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/05/20260503_101609-360x270.jpg)
![Blick von der Doppelreiterwarte auf die Weinzettlwand [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/05/20260503_101840-360x240.jpg)
![Adlitzgraben-Viadukt [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/05/20260503_111010-360x270.jpg)
![Semmering-Bahnwanderweg [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/05/20260503_113355-360x270.jpg)
![Krauselklause-Viadukt [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/05/20260503_120659-360x270.jpg)
![Weinzettlwand-Tunnel [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/05/20260503_123533-270x360.jpg)
![Breitenstein-Blick [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/05/20260503_124952-360x230.jpg)
![Semmering-Blick [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/05/20260503_131704-360x235.jpg)
![Gamperlgraben-Viadukt [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/05/20260503_135623-360x330.jpg)
![Blick nach Klamm [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/05/20260503_135234-360x245.jpg)
![Blick zum Sonnwendstein [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/05/20260503_145819-360x270.jpg)
!["Weg" im Wald [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/05/20260503_151203-360x270.jpg)