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Lech-zend nach mehr (Profit)

Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust: Einerseits ist die Landschaft hier am Arlberg wirklich atemberaubend schön, und es gibt so viele Wandermöglichkeiten, sodass ich mir gleich bei meiner Ankunft gedacht habe, dass ich es hier auch locker eine ganze Woche aushalten könnte. Andererseits treten da und dort auch die hässlichen Seiten des (Winter-)Tourismus zu Tage, die in anderer Form atemberaubend sind.

Um diesen Widerstreit an Gefühlen besser verstehen zu können, sollte ich wohl meine Eindrücke chronologisch schildern: Bereits die Anfahrt (über den Hochtannbergpass) war sehr pittoresk: Am liebsten wäre ich ja alle paar Meter stehen geblieben, um ein Foto zu schießen – aber das kommt halt auf einer kurvigen Bergstraße nicht so gut. Beim Quartier angekommen war ich dann vom Ausblick von meiner Terrasse auf die Berggipfel östlich von Lech (siehe Titelbild) so begeistert, dass ich nicht nur draußen gegessen, sondern bis kurz vor halb acht Uhr abends draußen im Liegestuhl gelegen bin und die Aussicht bewundert habe.

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Vordere und Hintere Hasenfluh

So habe ich meiner ersten Wanderung also mit Freuden entgegengesehen: Ich bin nach Zürs gefahren, um von dort zum Zürsersee aufzusteigen. Die Wegbeschreibung hat den Aufstieg entlang eines Güterweges geschildert; angeschrieben war dann ein schmaler Wanderweg. Klarerweise habe ich mich für letzteren entschieden, und bin so unter den Gipfeln der Vorderen und Hinteren Hasenfluh (teilweise recht steil) empor gestiegen. Auf der anderen Talseite hat die Rüfispitze das Panorama dominiert.

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Rüfispitze

Während des gesamten Aufstiegs habe ich keine Menschenseele getroffen (und schon im Bus nach Zürs war ich der einzige Tourist) – die sind wohl alle auf der Kanisfluh? Als ich dann aus der Ferne immer wieder einen Helikopter über dem Zürsersee erspähen konnte, habe ich schon vermutete, dass ein Arlberger Tourist, der etwas auf sich hält, sich den See wohl aus der Luft anschaut. Wenn es doch nur das gewesen wäre!

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Zürsersee

Der wahre Horror hat sich mir nämlich erst dargelegt, als ich beim Zürsersee angekommen bin: Dort wird mit schwerem Gerät eine neue Seilbahn(*) errichtet, und dafür tiefe Schneisen in die Landschaft geschlagen. Ich bin erst einmal ein paar Minuten fassungslos dagestanden – und das war noch bevor ich den Betonklotz von Talstation auf "meiner" Seeseite entdeckt habe, für den sie den halben Hang abgegraben haben – inklusive meines Wanderweges! So musste ich dann über den (nahen, wenige Dutzend Höhenmeter höheren) Seekopf-Gipfel ausweichen. (**)

Auf jeden Fall hat der Baulärm die Idylle des Bergsees schon ziemlich zerstört. Ich frage mich auch, wie der See wohl in Zukunft aussehen wird, wenn ihn eine Seilbahn überquert? Mir ist zwar schon klar, dass auch ich als Tourist von Seilbahnen profitiere – aber müssen es wirklich immer mehr und/oder immer größere sein?

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Blick auf Lech

Ich habe dann die Baumaschinen und den Baulärm (nicht so schnell jedoch das Schrappen des Hubschraubers) hinter mir gelassen, und bin wieder in Richtung Lech abgestiegen. Dabei konnte ich wieder tolle Blicke auf den Ort und die umliegende Bergwelt genießen. Dabei habe ich dann tatsächlich auch andere Wanderer getroffen; in der Überzahl waren jedoch die Kühe, denen ich aus den Weg gehen musste.

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Wasserfallweg

Kurz nach Mittag war ich dann wieder zurück in Lech – und damit leider genau in der Mittagspause der Wanderbusse. So habe ich einen Lokalbus nach Zug genommen und die Wanderung übers Stierlochjoch in umgekehrter Richtugn in Angriff genommen: mehr Höhenmeter im Anstieg, aber gleiche Aussicht (zumindest wenn man sich gelegentlich umdreht).

Am Beginn des Aufstieg steht dabei der kurze Wasserfallweg, auf dem das Rauschen des Wassers von der Steigung ablenkt. Danach folgt ein etwas steileres Stückchen durch den Wald, und dann leider schon bald die Baumgrenze. Bereits von dort konnte ich den gesamten Weg bis zum Talende einsehen, wie er sich in der prallen Sonne nach oben zieht. Das war in der Mittagshitze dann doch etwas anstrengend, aber die Ausblicke übers Tal des Stierlochbachs sind großartig.

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Stierlochbachtal

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Roggalspitze

Hat man dann das Stierlochjoch überquert, dominiert die Roggalspitze das Panorama. Für mich war dann aber auch schon die nahe Ravensburger Hütte mit einem kühlen Hollersaft eine große Attraktion. Den krönenden Abschluss der Wanderung hat dann noch der Spullersee gebildet, ein ursprünglich natürlicher Hochgebirgssee, der aber seit den 1920er-Jahrend zur Energiegewinnung aufgestaut wird. Dieser See hat aber trotzdem noch eine Schönheit bewahrt – vielleicht weil der menschliche Eingriff abseits der Staumauern nicht gar so krass ins Auge (oder gar ins Ohr) springt?

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Spullersee

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Karhorn

Heute war das Wetter leider nicht mehr so strahlend blau. Nachdem für Nachmittag bereits Regen angesagt war, bin ich schon kurz vor acht Uhr früh direkt von meiner Unterkunft zu einer Wanderung zum Butzensee aufgebrochen. Aufgrund der frühen Stunde musste ich auf eine Aufstiegshilfe per Sessellift verzichten – aber nachdem mein Quartier in Oberlech (also rund 250 Höhenmeter über dem Talboden) liegt, war das kein großes Problem. Die Wanderroute hat dann sogleich schöne Ausblicke auf Oberlech und das Karhorn nördlich des Ortes geboten.

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Obere Gipslöcher

Nach einer knappen Stunde habe ich die Gipslöcher erreicht, eine Dolinenlandschaft. Dahinter erstrecken sich die Berge (nördlich) des Zugertals, die man im weiteren Verlauf der Wanderung immer besser zu Gesicht bekommt.

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Berge des Zugertals

So geht es eine weitere Stunde den Hang entlang dahin, bis man schließlich den Butzensee erreicht. Dieser Bergsee schillert schon bei bewölktem Wetter wunderschön in blau-grün; bei Sonnenschein ist er vermutlich noch einmal so beeindruckend – und er kommt ganz ohne Sessellift aus!

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Butzensee

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Blick vom Mohnenfluhsattel

Vom Butzensee aus führt dann der Weg über den Mohnenfluhsattel wieder zurück in Richtung Oberlech. Bereits beim Anstieg zum Sattel hat es leicht gespritzelt. Auf etwa halbem Weg zurück hat es dann stärker zu regnen begonnen, sodass ich meine wasserabweisende Windjacke gegen eine wasserdichte Regenjacke getauscht habe. Gottseidank war es jedoch nur ein kurzer Schauer, und ich bin dann sogar bei leichtem Sonnenschein wieder bei meinem Quartier angekommen.

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Walkerbach

So habe ich schnell auf meiner Terrasse gejausnet, und bin noch zu einer Wanderung unten im Tal aufgebrochen: entlang des Walkerbachs ins Wöstertäli. Eigentlich sollte es am Talschluss auch einen Wasserfall geben, aber entweder bin ich nicht weit genug gewandert (weil sich der Weg irgendwann einfach verloren hat), oder er führt im Spätsommer einfach kaum mehr Wasser.

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Wöstertäli

So bin ich also nach Lech zurückgekehrt, um per Bus wieder ins Quartier zu fahren. Zwar hat es just zu diesem Zeitpunkt komplett aufgeklart, aber ich hatte nach zwei Tagen mit jeweils mehr als 1000 Höhenmetern einfach keine weiteren Kilometer mehr in mir. Daher habe ich es mir auf meiner Terrasse gut gehen lassen – es gibt ja wahrlich schlechtere Orte, um seinen restlichen Nachmittag zu verbringen!

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Lech


(*) Später habe ich herausgefunden, dass dort ein alter Doppel- durch einen neuen Sechser-Sessellift ersetzt wird.

(**) Wo sich im übrigen das Geheimnis gelüftet hat, wo die Touristen waren: Die kommen mit der Seilbahn hoch!

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