Analog zum Weißen Ring für Schifahrer gibt es in Lech auch den Grünen Ring für Wanderer: eine Runde durch die Berge rund um die drei Orte Lech, Zürs und Zug. Aus diesem Grünen Ring habe ich mir in den letzten Tagen ein paar Schmankerln herausgepickt.
Der Beginn der Runde ist an der Bergstation der Rüfikopfbahn auf rund 2.350 Metern Seehöhe. Bereits nach meiner Wanderung auf der Steffisalpe habe ich ein knappes Stündchen mit der Erkundung dieser Gipfelregion verbracht. (*) Eines der ersten Dinge, die mir aufgefallen ist, war der SteinZeitWeg, auf dem untere anderem versteinerte Belemniten, Nautiliden und Megalodonten zu sehen sind – ob sie die vom Steinernen Meer stibitzt haben?
Etwas oberhalb der Bergstation befindet sich dann auch der eigentliche Gipfel des Rüfikopfes, der ein grandioses Panorama über die umliegende Bergwelt bietet (siehe auch das Titelbild). Gleichzeitig war mit einem Blick auf die 2.632 Meter hohe Rüfispitze klar, dass in diesem Fall der Zusatz Nur für Geübte
beim Wegweiser durchaus Sinn hat: Der Aufstieg über den mit Gras bedeckten Berggrat mag ja noch machbar sein, aber dann geht der Weg offensichlich über blanken Stein.
Das war nichts für mich, weshalb auch die Entscheidung gefallen war, dass ich heute eben der ersten Etappe des Grünen Rings folgen werde: ein Abstieg nach Zürs.
Begonnen habe diesen Abstieg über den BlütenReich-Pfad, wo einige Alpenpflanzen beschriftet sind. Leider blüht derzeit aber so viel, dass ich teilweise Schwierigkeiten hatte, die Schilder den richtigen Pflanzen zuzuordnen. Das nächste Ziel entlang der Route, der Monzabonsee, war dann gottseidank aber auch ohne Botanikkenntnisse klar erkennbar.
Beim weiteren Abstieg über die Monzabonalpe nach Zürs hätten sie mit dem Botanikkurs gleich weitermachen können: Auch dort waren die Almwiesen mit Blumen übersäht. Etwas unterhalb der Monzabonalpe hat dann noch eine Besonderheit auf mich gewartet: die „Hütten-Bibliothek“. Die Bezeichnung „Bibliothek“ ist für diese Lese-Ecke in einer kleinen Holzhütte vielleicht etwas übertrieben, aber ich finde die Idee ganz nett.
In Zürs angekommen bin ich dann noch der Empfehlung für einen Abstecher zum Flexenpass gefolgt, wo sich die Europäische Wasserscheide befindet: Alle Flüsse südlich davon fließen über den Rhein in die Nordsee, alle Flüsse nördlich davon über die Donau ins Schwarze Meer. Natürlich ist das Ganze recht unspektakulär, aber sie haben das Ganze mit einem Felsen, aus dem das Wasser blubbert, ganz nett inszeniert (wobei das Wasser heute eindeutig eine Tendenz Richtung Donau/Schwarzes Meer hatte – da ist der „Abfluss“ vom Felsen wohl nicht symmetrisch genug).
In Zürs beginnt dann auch die zweite Etappe des Grünen Rings, und zwar mit einem Aufstieg zum Zürsersee. Diesen habe ich aber bereits bei meinem letzten Aufenthalt absolviert, weshalb ich es diesmal (bereits gestern) so gemacht habe wie schon alle anderen Touristen vor fünf Jahren: Ich bin mit der Sesselbahn nach oben gefahren.
Beim Zürsersee bin ich noch immer der Meinung, dass die vielen umliegenden Seilbahnen doch einiges von seiner Schönheit rauben. Da hilft es auch nicht, dass sie einen Holzsteg samt Liegesessel und Picknickbank gebaut haben, um den See „genießen“ zu können.
Ich hatte aber ohnehin nicht viel Zeit zum Genießen, denn ich bin ja zum Wandern gekommen. Daher bin ich zum Madlochjoch aufgestiegen – praktisch direkt unterhalb einer Seilbahn, wie könnte es anders sein? Immerhin hatte ich sie so eher wenig im Blickfeld, denn man schaut beim Wandern ja selten direkt nach oben.
Gottseidank habe ich aber auch nicht (immer) nur auf den Boden vor meinen Füßen geschaut, denn so habe ich einen ganz besonderen Postkasten entdeckt: einen mit Entleerung jährlich 16 Uhr
, wie dort angegeben ist. Gleichzeitig werden auch (etwas fade, wenn man mich fragt) Postkarten zur Verfügung gestellt, die man dort schreiben und (angeblich ohne sie frankieren zu müssen) gleich aufgeben kann. Ich habe das natürlich auch ausprobieren müssen. Nachdem meine Karten von der Post Office Bay auf Galapagos leider nie angekommen sind – und das obwohl ich die mir anvertrauten Postkarten sogar (großteils) selbst zugestellt habe – bin ich gespannt, wie gut das Versprechen hier eingehalten wird. Ich werde an dieser Stelle berichten!
Beim Madlochjoch angekommen habe ich kurz den Ausblick genossen, dann aber dem Grünen Ring Lebewohl gesagt und bin statt nach Zug in die andere Richtung abgebogen: zum Spullersee. Der hat mir bei meinem letzten Aufenthalt ja recht gut gefallen (obwohl es eigentlich ein aufgestauter Bergsee ist). Dafür musste ich allerdings, wie ich schon vom Madlochjoch erkennen konnte, zwei Schneefelder (in Hanglage) queren. Ich habe mich dann bei zwei entgegenkommenden Wanderern nach dem Zustand des Weges (auch über die Schneefelder hinaus) erkundigt, und mir wurde beschienen, dass der Weg im Wesentlichen sehr gut zu gehen sein; nur das Geröll zwischen den Schneefeldern erfordere ein wenig Kraxelei.
Im Endeffekt war diese Kraxelei dann fast nervenaufreibender als die Schneefelder, denn der Schnee war recht fest und hat daher guten Halt geboten. Die Steine waren zwar offensichtlich auch alle gut verkeilt, aber denen habe ich weniger getraut, sodass ich teilweise mit Handunterstützung unterwegs war.
Schließlich habe ich das aber auch geschafft, und konnte mich an den Abstieg zum Spullersee machen. Der war dann (wie versprochen) tatsächlich (fast immer) sehr gemütlich. Außerdem dürfte der Hang, in dem man dabei unterwegs ist, ein wahres Paradies für Murmeltiere sein: Zu den dreien, die ich bereits beim Aufstieg zum Madlochjoch erspähen konnte, sind gleich sieben weitere (davon fünf auf einmal) dazugekommen. An vielen Stellen waren auch Löcher im Boden zu sehen, die verdächtig nach „Wohnungseingängen“ von Murmeltieren ausgehen haben.
Wenn ich aber nicht gerade mit dem Beobachten von Murmeltieren beschäftigt war, habe ich mich am Ausblick auf den Spullersee ergötzt. Er ist dann zwischendurch zwar wieder kurzzeitig hinter einem kleinen Hügel verschwunden, aber da musste dann halt das Blütenmeer zur Unterhaltung herhalten.
Beim Spullersee angekommen musste ich dann allerdings feststellen, dass ihm offensichtlich mehrere Meter (!) Wasser gegenüber meinem letzten Besuch vor fünf Jahren (damals allerdings im Herbst) fehlen. Das hat ihn etwas weniger pittoresk gemacht. Trotzdem habe ich diesmal nicht den Fahrweg im Süden des Sees, sondern den Wanderweg im Norden genommen – und die Ausblicke waren trotz des niedrigeren Wasserstandes durchaus die Mühen wert.
Dann war wieder einmal der Busfahrplan für die Verlängerung meiner Wanderung verantwortlich: Diesmal hätte ich eine gute Dreiviertelstunde auf den Bus warten müssen. Stattdessen bin ich lieber die Viertelstunde zu Alpe Dalaaser Staffel marschiert, und habe mir dort einen Hollersaft gegönnt. Derart gestärkt bin ich dann gleich weiter entlang des Spullerbachs bis zu dessen Mündung in den Lech gewandert. Erst dort habe ich dann doch den Wanderbus zurück nach Lech genommen.
Heute hatte ich allerdings noch einen Nachmittag übrig, also habe ich mich der dritten Etappe des Grünen Rings gewidmet: von Zug nach Lech. Auch diesmal habe ich mich jedoch für dem Aufstieg per Kabinenbahn entschieden (wobei das in diesem Fall nur als „Variante“ beschrieben wird). Nach zwei Wochen Wanderurlaub waren meine Beine aber doch schon ein wenig aufstiegs-müde.
So bin ich recht gemütlich auf die Balmalp gekommen. Die knapp 70 Höhenmeter zum Gipfel des nahen Kriegerhorns konnte ich mir dann aber (obwohl eigentlich nicht Teil des Grünen Rings) nicht entgehen lassen – so viel Energie hatten meine Beine gerade noch. Vom Kriegerhorn konnte ich dann auch einen schönen Blick hinunter aufs Dorf Lech genießen.
Beim weiteren Abstieg nach Lech bin ich an einigen Stellen vorbeigekommen, die mir schon von meiner Wanderung zum Butzensee bei meinem letzten Aufenthalt untergekommen sind, wie etwa die Gipslöcher. Nur Alpenblumen haben diesmal mehr geblüht als vor fünf Jahren im September.
Zum Abschluss bin ich dann noch einmal mit der Gondelbahn auf den Rüfikopf gefahren, um ein letztes Mal den Rundblick auf die Berge zu genießen.
Denn damit endet nun die Serie der unentgeltlichen Einschaltungen der Österreich Werbung zur Förderung des Wanderurlaubs in der Heimat – morgen geht es wieder zurück nach Wien.
(*) Ich versuche mein Bestes, um die Lech Card wirklich gut auszunützen.
![Versteinerte Belemniten [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260625_151043-270x360.jpg)
![Versteinerter Nautiloide [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260625_150704-360x270.jpg)
![Versteinerte Megalodonten [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260625_150359-360x270.jpg)
![Ausblick vom Rüfikopf [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260625_151337-360x225.jpg)
![Monzabonsee [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260627_090900-360x270.jpg)
![Monzabonsee [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260627_092031-360x181.jpg)
![Abstieg nach Zürs [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260627_100329-360x270.jpg)
![Hütten-Bibliothek [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260627_101055-360x270.jpg)
![Hütten-Bibliothek [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260627_101139-360x270.jpg)
![Europäische Wasserscheide am Flexenpass [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260627_105505-270x360.jpg)
![Zürsersee [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260626_091852-360x251.jpg)
![Zürsersee [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260626_095059-360x213.jpg)
![Postkasten am Grünen Ring [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260626_101328-360x270.jpg)
![Ausblick vom Madlochjoch [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260626_104248-360x270.jpg)
![Murmeltier [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260626_111114-360x270.jpg)
![Abstieg zum Spullersee [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260626_111938-360x201.jpg)
![Blick auf den Spuller Schafberg [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260626_115504-360x270.jpg)
![Spullersee [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260626_130459-360x218.jpg)
![Alpe Dalaaser Staffel [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260626_135526-360x270.jpg)
![Alpe Dalaaser Staffel [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260626_140016-360x270.jpg)
![Ausblick von der Balmalp [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260627_122716-360x209.jpg)
![Blick vom Kriegerhorn auf Lech [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260627_124550-360x223.jpg)
![Mittlere Gipslöcher [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260627_132025-270x360.jpg)
![Untere Gipslöcher [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260627_134137-360x220.jpg)
![Abstieg nach Lech [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260627_133308-360x270.jpg)