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Whanganui River per Kanu

Nun war es also soweit: Ich bin mit dem Kanu den Whanganui River von Whakahoro nach Pipiriki abgefahren – volle drei Tage lang. Auf dieser Strecke wäre ein kürzerer Aufenthalt aber gar nicht möglich gewesen, denn zwischen unserem Ein- und Ausstiegspunkt gibt es keine einzige Straße! Dementsprechend war es ein einmaliges Erlebnis mitten in der Wildnis.

Nachdem ich mich (auch mangels Kanu-Partner) für eine geführte Tour von Canoe Safaris entschieden habe, war das Ganze eher entspannt: Man bekommt vor allen Stromschnellen (die ohnehin großteils nur Grad 1 sind) eine Anleitung, wie diese zu bewältigen sind. Ich bin außerdem meist im Kanu von unserem Guide mitgefahren, was besonders entspannt war. Darüber hinaus musste ich mich nicht um die Unterkunft kümmern, und wir wurden sogar bekocht. (*)

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Whanganui River

Der erste Tag war gleich unser längster Paddel-Tag: 37 Kilometer, und das bei einem Start gegen 10:30 Uhr (nachdem die Anfahrt rund zwei Stunden gedauert hat). Die Stromschnellen waren aber praktischerweise recht harmlos – gerade richtig zum Eingewöhnen. Das hat aber leider auch geheißen, dass wir meist selbst paddeln mussten, um gut voran zu kommen. Der Pegelstand des Flusses befindet sich derzeit nämlich auf einem 20-Jahres-Tief, und daher fließt er nur sehr gemächlich dahin.

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Whanganui River

Trotz des langen Tages auf dem Wasser ist mir aber nie langweilig geworden: Die steilen Felswände, an denen teilweise Moose und Flechten wuchern, und deren Hänge weiter oben dicht mit Farnen, Palmen und anderen üppig grünen Pflanzen bewachsen sind, waren sehr beeindruckend. An manchen Stellen ist der Fluss noch dazu spiegelglatt, sodass sich die ganze Szenerie (inklusive dem blauen Himmel mit den weißen Schäfchenwolken) nochmals kopfüber auf dem Wasser wiederfindet. Leider war meine Kamera zu gut wasserdicht verpackt, sodass ich davon kaum Fotos bieten kann.

Ebenso faszinierend war die Abgeschiedenheit: Man hört nur das Zwitschern der Vögel und das Plätschern der Paddeln – und wenn man sich doch einmal kurz treiben lässt, nicht einmal das! Darüber hinaus hatten wir das Glück, offensichtlich vor allen anderen unterwegs zu sein, sodass wir den Fluss tatsächlich für uns allein hatten.

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John Coull Campground

Übernachtet haben wir dann auf einem der Zeltplätze, die im Abstand von ungefähr zehn Kilometern den Fluss säumen. Am nächsten Tag hatten wir dann zwar nur noch 29 Kilometer zu bewältigen, sind aber trotz eines frühen Starts gegen 8:00 Uhr auch erst wieder recht spät bei unserem Tagesziel angekommen, weil die Hauptattraktion dieses Tages nicht direkt am Fluss, sondern rund 45 Minuten Fußmarsch entfernt zu finden ist: die Bridge to Nowhere.

Diese Brücke führt zwar nicht wirklich ins Nirgendwo, sondern ist Teil einer Wander- und Mountain-Bike-Strecke, aber der Name passt sehr wohl: Ursprünglich sollte sie als (einspurige) Autobrücke für eine Hauptstraße dienen. Wegen eines Felssturzes im grundsätzlich eher instabilen Gelände wurde die durchgehende Straße aber nie fertiggestellt. Heutzutage ist im Umkreis von rund 40 Kilometern (!) keine einzige Straße zu finden.

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Mangapurua Stream

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Bridge to Nowhere

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Mangapurua Stream

Nachdem die Brücke aber eine große Touristenattraktion ist, fahren (leider, aus Kanuten-Sicht) Jetboote den Fluss auf und ab. Diese sollten uns also die letzten eineinhalb Tage immer wieder einmal begegnen und die Ruhe stören.

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Blick von der Bridge to Nowhere Lodge auf den Whanganui River

Unsere zweite Nacht haben wir dann etwas weiter flussabwärts in der Bridge to Nowhere Lodge verbracht – in einem weichen Bett, nach einer warmen Dusche! Das ist vielleicht komfortables "Zelten"! Von der Terasse der Lodge hat man außerdem einen schönen Blick auf den Fluss.

Unser dritter und letzter Tag (heute) ist dann im Zeichen des Regens gestanden: Nachdem bereits am Vorabend die ersten Tropfen als Vorboten des hierzulande langersehnten Regens angekommen sind, hat es in der Nacht einige Stunden geregnet. Untertags war es dann gottseidank meist nur ein Tröpfeln, unterbrochen von kurzen sonnigen Perioden. Nur die letzte Stunde hat es etwas stärker geregnet, wovon vor allem unser Guide begeistert war. Gottseidank war es aber ein warmer Regen, sodass auch ich gut damit klargekommen bin.

Abgesehen davon waren heute die etwas wilderen Stromschnellen das Highlight. Zu Mittag, nachdem wir bereits die Ngaporo Rapids bewältigt hatten, sind wir bei den Autapu Rapids angekommen. Diese Stromschnellen schauen auf den ersten Blick vielleicht eher harmlos aus, aber sie tragen (nicht zu unrecht!) den Spitznamen "Fifty-Fifty": Nur rund die Hälfte der Kanuten kommt dort unbeschadet davon.

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Autapu Rapid

Wir haben mit unseren vier Kanus den Schnitt gut erfüllt: Zwei der Kanus sind durch eine Welle so ins seitliche Rollen gekommen, dass sie gekentert sind. Unser Guide war aber schon zur Stelle, um die Leute aus dem Wasser zu fischen. Während wir dann danach bei diesen Stromschnellen gejausnet haben, haben die nächsten drei Kanus den Schnitt weiter bestätigt: Während das erste Kanu die Stromschnellen beeindruckenderweise seitwärts (!) überwunden hat, hat das nächste Kanu bei jeder Welle so viel Wasser gefasst, dass es schlussendlich sang- und klanglos gesunken ist, ohne jemals in Schieflage geraten zu sein. Die dritten haben es dann wieder geschafft.

Eine knappe Stunde später war unser Kanu-Abenteuer dann auch schon zu Ende. Zurück in der Basis in Ohakune hat sich der Besitzer des Tourunternehmens übrigens auch nochmals bei mir für die Probleme mit dem Essen entschuldigt – und mir sogar unaufgefordert eine kleine finanzielle Entschädigung für ein gutes Essen heute Abend in die Hand gedrückt.

Nebenwirkungen meiner "Diätfehler" haben sich bisher keine eingestellt. So habe ich (neben zahlreichen Sandfly-Bissen) nur einen leichten Kanu-Arm (**) davongetragen. Doch das wird sich in den nächsten Tagen wieder legen; was bleibt, sind Erinnerungen an eine beeindruckende Kanutour.


(*) Blöd nur, dass die Liste mit meiner Nahrungsmittelunverträglichkeiten irgendwie untergegangen ist. Zwar habe ich sicherheitshalber Unmengen an Snacks und sogar zwei Portionen Müsli fürs Frühstück mitgenommen, aber für drei Tage hat es halt doch nicht gereicht. Unserem Guide war das Ganze aber ohnehin sehr unangenehm (obwohl er gar nichts dafür kann), und er hat sich vielmals entschuldigt. Darüber hinaus hat er große Kreativität bewiesen, mir mit seinen beschränkten Mitteln ein einigermaßen verträgliches Mahl zu zaubern. Nachdem er sich so viel Mühe gegeben hat, war ich dann halt auch ein weniger flexibler.

(**) ähnlich wie ein Tennisarm, nur eben vom Paddeln im Kanu

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