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Hanoi zum Zweiten

Nachdem diese Woche wettermäßig so begonnen wie die letzte geendet hat (also stark bewölkt und leicht regnerisch), habe ich mich entschieden, zwei Tage in Hanoi zu verbringen, denn dort kann man auch in Museen gehen.

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Hoa-Lo-Gefängnis

Leider haben viele Museen montags geschlossen, wie sich herausstellen sollte, und so war die Auswahl am ersten Tag eher klein. Ich habe dann das Hoa-Lo-Gefängnis besucht, dass von den Franzosen zur Kolonialzeit errichtet wurde. Damals wurden politische Gefangene dort eingekerkert, und das unter widrigsten Umständen. Zur Zeit des Vietnamkriegs wurden dort amerikanische Kriegsgefangene inhaftiert, die aber (so zumindest die Erläuterungen vor Ort) geradezu paradisische Zustände vorgefunden haben. Wahrscheinlich sind beide Darstellungen ein wenig nationalistisch gefärbt, aber im Kern dürften die Schilderungen schon stimmen, schließlich hieß das Gefängnis bei den GIs scherzhaft auch „Hanoi Hilton“.

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Block E

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Todeszellen

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Thang-Long-Wasserpuppentheater

Am Nachmittag bin ich dann zufälligerweise am Wasserpuppentheater vorbeigekommen und habe festgestellt, dass es auch Nachmittagsvorstellungen gibt. Nachdem es gerade stärker zu nieseln begonnen hat, habe ich mir kurzerhand eine Karte gekauft. Die Darstellung von bäuerlichen Szenen und alten Bräuchen mit Puppen im Wasser war tatsächlich ein außergewöhnlicher und recht unterhaltsamer Zeitvertreib.

Gottseidank hat es aber nicht die ganze Zeit getröpfelt. Bereits am Sonntag Abend war ich rund um den Hoan-Kiem-See unterwegs, wo (wie jedes Wochenende) die Straßen für Autos gesperrt waren und zahlreiche Einheimische bei jahrmarktähnlicher Stimmung durch die Straßen flaniert sind.

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Eisenbahn-Straße

Zuvor habe ich ein Gässchen genauer erkundet, an dem ich schon vor meinem Ausflug zur Halong-Bucht zufällig vorbeigekommen bin: ein Gässchen durch das die Eisenbahn fährt. Beim ersten Besuch hat mich noch der Hunger von einer genaueren Erkundung abgehalten, weshalb ich das am Sonntag nachholen wollte. Da ich zufälligerweise eine knappe halbe Stunde vor der Durchfahrt eines Zuges dort angekommen bin, habe ich mir einen Saft in einem der vielen kleinen Cafés(*) entlang der Strecke gegönnt und auf den Zug gewartet.

Als es allerdings dann soweit war, musste ich meinen Platz räumen, da das Klapptischchen aus dem Weg geräumt werden musste. Auch meine langen Beine wären wohl in Gefahr gewesen. Der Zug fährt nämlich überraschend schnell und überraschend nah an der Häuserfront durch die Gasse.

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Eisenbahn-Straße

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Long-Bien-Brücke

Auch andernorts kann man die Bahngleise genauer inspizieren als das bei uns möglich wäre: Die Schienen führen auf der (auch von Mopeds und Fußgängern genutzten) Long-Bien-Brücke über den Roten Fluss, auf die man vom Bahnhof aus (zumindest ein kurzes Stück) problemlos hinaufspazieren kann. Dabei macht die Brücke den Eindruck, als würde sie nur noch von Rost zusammengehalten werden – unglaublich, dass da tatsächlich Züge drüberfahren!

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Long-Bien-Brücke

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Initiationsritus der Roten Yao

Heute war das Wetter noch nicht wirklich besser, aber immerhin sind mehr Museen zur Auswahl gestanden. Begonnen habe ich mit dem ausgezeichneten Ethnologischen Museum, das die 54 Volksgruppen, die in verschiedenen Teilen von Vietnam leben, vorstellt. Dabei gibt es immer wieder Gemeinsamkeiten, aber eben auch Unterschiede – wobei ich gestehen muss, dass ich mir nicht im Detail gemerkt habe, welche Volksgruppe jetzt patriarchalisch oder matriarchalisch organisiert ist, wo Reis im Trockenanbau statt im Wasser angebaut wird, oder wer auf Pfahlbauweise setzt.

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Bahnar-Gemeinschaftshaus

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Giarai-Grabstätte

Nur bei den Bahnar kann ich letzteres sicher sagen: Unter deren Gemeinschaftshaus habe ich mich nämlich untergestellt, als während meiner Besichtigung der im Garten hinterm Museumsgebäude aufgebauten traditionellen Häuser ein Gewitter niedergegangen ist.

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Wrack eines B52-Bombers

Auf dem Rückweg habe ich noch einen Stopp beim B52-Museum eingelegt, wo Wrackteile eines im Vietnamkrieg abgeschossenen B52-Bombers herumliegen – ungefähr so spektakulär, wie es sich anhört, aber immerhin gratis.

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Südtor der Thang-Long-Zitadelle

Schließlich habe ich das sich bessernde Wetter genutzt, um mir die alte Zitadelle von Hanoi anzusehen, wo seit 1010 bis ins 18. Jahrhundert die vietnamesischen Kaiser residiert haben. Leider wurde beim Umzug des Hofes nach Hue beinahe die ganze Anlage geschliffen, sodass im wesentlichen nur das Südtor übrig geblieben ist. Sonst gibt es nur noch ein paar (wunderschön gearbeitet) Bruchstücke von z.B. Dachverzierungen zu sehen. Hauptattraktion dürfte aber ohnehin die auf dem Gelände gebaute Kommandozentrale samt Bunker(**) sein, die während des Vietnamkriegs in Verwendung war, wenn es nach den Schülerströmen geht. Möglicherweise war allerdings auch ich die größte Attraktion – ich habe auf jeden Fall den Überblick verloren, wie viele Hände ich geschüttelt, für wie viele Selfies ich posiert, und vor allem wie oft ich einfach nur „Hello“ gesagt habe.


(*) Die Vietnamesen sind da sehr geschäftstüchtig.

(**) mit Luftfilteranlage, die auch radioaktive Stoffe ausfiltert, aber ohne Küche oder Klo (zumindest soweit ich sehen konnte – ich hoffe, die sind doch noch irgendwo versteckt, sonst wäre ein Aufenthalt dort schnell ungemütlich geworden)

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