Auch im Kleinwalsertal hat die Hitze Einzug gehalten – wenn auch wohl auf anderem Niveau als in der Großstadt. Nachdem ich aber in Wien sehr wohl schwimmen gehen kann, aber Berge nun einmal rar gesäht sind, bin ich trotzdem jeden Tag nicht ins (Frei-)Bad, sondern nach Baad, dem letzten Ort im Kleinwalsertal, gefahren, und habe von dort jeweils andere Seitentäler erkundet.
Den Beginn haben gleich zwei Täler gemacht, die man nämlich zu einer Runde um die Widderstein-Gipfel verbinden kann: das Bärgunttal für den Aufstieg und das Gemsteltal für den Abstieg – samt zwei Passüberquerungen dazwischen.
Bedingt durch die zu erwartende Hitze bin ich bereits sehr früh (d.h. kurz vor 8:00 Uhr) losmarschiert. Das hat bedeutet, dass ich ungefähr die erste Stunde (und damit die ersten 300 Höhenmeter) nahezu vollständig im (Berg-)Schatten unterwegs war. Das war zwar fürs Fotografieren nicht ideal, dem raschen Vorwärtskommen aber durchaus zuträglich. So konnte ich bald einen schönen Blick das gesamte Bärgunttal hinunter bis nach Baad genießen.
Mit dem Erreichen des ersten Passes, dem Hochalppass, hat sich dann der Blick ins „eigentliche“ Vorarlberg geöffnet, sprich auf die Berge zwischen Schröcken und Lech (die ich ja schon von meinem letzen Vorarlberg-Urlaub aus anderer Perspektive kenne). Das wäre nämlich auch der kürzeste Weg zu meiner nächsten Unterkunft in Lech – da hätte ich aber anders packen müssen, um diese Wanderung mitsamt meinem ganzen Gepäck zu schaffen.
An diesem Tag war das aber natürlich kein Thema, weil ich nur mit meinem Tagesrucksack unterwegs war. So konnte ich dann auch bald schon auf der Widdersteinhütte einen Holundersaft genießen und den Großen Widderstein von unten bestaunen. Zum Besteigen braucht man nämlich wegen der Steinschlaggefahr einen Helm – und noch genug Kondition für weitere 500 Höhenmeter.
Von der Widdersteinhütte ist es schließlich hinunter ins Gemsteltal gegangen. Der Weg war dabei teilweise recht steil, und durchgehend in der Sonne – die mir entgegenkommenden Wanderer haben mir sehr leid getan.
Ich hingegen konnte beim Bergab-Gehen die Landschaft genießen, zwei Gämsen am gegenüberliegenden Hang beobachten(*), einen Wasserfall bewundern und gemächlich eine kleine Klamm (in luftigen Höhen) durchwandern.
Wegen des großen Erfolges habe ich den frühen Start am nächsten Tag gleich wiederholt, nur ein Tal weiter westlich: Es ist ins Derrental gegangen um dort das Derraköpfle zu umrunden. Leider hat dort aber der benachbarte hohe Berg gefehlt, sodass ich praktisch von Beginn an immer wieder in der Sonne unterwegs war – und das hat einen signifikanten Unterschied gemacht.
Da war ich dann gleich doppelt froh, dass ich mir zur Schonung meiner Beine eine eher kleine Runde ausgesucht habe. Trotzdem konnte ich dann am (eigentlich) höchsten Punkt meiner Runde, der Oberen Derraalpe der Versuchung nicht widerstehen, noch zum Derrajoch aufzusteigen – das waren ja nur rund 70 Höhenmeter und etwa 15 Minuten pro Richtung mehr.
Die Aussicht von dort war dann zwar ganz nett, aber nicht beeindruckend genug, um auch noch auf die Güntlesspitze aufzusteigen – nicht zuletzt, weil vom Derrajoch noch immer dieselben 40 Minuten Gehzeit angeschrieben waren, die schon auf der Oberen Derraalpe verlautbart wurden.
Stattdessen bin über die Mittlere Spitalalpe wieder ins Tal abgestiegen. Dabei wurde mir der erhöhte Schwierigkeitsgrad des Passierens einer auf dem Wanderweg ruhenden Kuhherde zuteil, mit dem ganz besonderen „Schmankerl“, dass eine dieser Kühe (unmittelbar bevor ich vorbeigehen wollte) auch noch aufgestanden ist und so in Trittweite des äußersten Randes meiner möglichen Ausweichroute gekommen ist.
Ich habe aber auch diese Herausforderung gemeistert, und mich dann (zur Entspannung) „daheim“ in Hirschegg vom Heuberg-Sessellift noch zum Panoramaweg hinaufschippern lassen. Das „Panorama“ hat allerdings meist nur aus Nadelbäumen bestanden. Nur gelegentlich hat sich der Blick auf Berge und/oder Tal geweitet. So habe ich nach rund einstündigem Schlendern (samt Mittagsjause) die Unternehmung abgeblasen und mir stattdessen einen gemütlichen Nachmittag im Quartier gemacht.
So war ich dann am dritten Tag gut ausgeruht, um zum Abschluss meines Aufenthalts im Kleinwalsertal wieder eine etwas längere Wanderung zu unternehmen. Nach den vorherigen Ausflügen nach Süden bzw. Südwesten in den beiden Tagen zuvor ist es diesmal von Baad nach Westen gegangen, ins Duratal. Der Aufstieg entlang der Bergflanke war wieder von Wildblumen gesäumt – und gottseidank auch von einigen Bäumen, die dafür gesorgt haben, dass ich wieder etwa die erste Stunde des Aufstiegs vorwiegend im Schatten absolvieren konnte.
Mit dem Erreichen der Starzelalpe auf rund 1.680 Metern Seehöhe war es mit den Bäumen aber leider vorbei – nicht jedoch mit den Blumen. So bin ich durch eine üppige Blumenwiese weitergewandert und zum Starzeljoch aufgestiegen.
Von dort hätte ich gleich zur Ochsenhofer Scharte weiterwandern können, doch diesmal hat mich der Abstecher zum nahen Gipfel des Grünhorn doch zu sehr gereizt: Es war erst kurz nach 9:30 Uhr, die Gehzeit war mit nur 20 Minuten angeschrieben, und auf der Karte hat der Weg nach einem gemütlichen Aufstieg entlang eines lang gezogenen Kamms ausgesehen.
Dem war im Wesentlichen dann auch so. Nur an zwei, drei Stellen war der Pfad ein wenig ausgesetzter als ich das vom Blick auf die Karte erwartet hätte. Auch habe ich ein bisschen mehr als die veranschlagten 20 Minuten gebraucht – das könnte aber auch an meinen zahlreichen Fotostopps gelegen haben. Die Aussicht war nämlich bereits während des Aufstiegs entlang des Bergkamms ausgezeichnet. Der Rundumblick vom Gipfel des Grünhorns war dann eigentlich nur noch Draufgabe.
Trotz der noch recht frühen Uhrzeit habe ich dort oben eine ausgiebige Pause eingelegt (und versucht, mich von den vielen Fliegen und sonstigen Insekten nicht zu sehr stören zu lassen).
Nachdem ich den Ausblick also eine gute halbe Stunde genossen habe, habe ich mich wieder an den Abstieg gemacht, diesmal tatsächlich in Richtung Ochsenhofer Scharte. Auch dieser Weg hat entlang eines (anderen) Berggrats nach unten geführt. Von der Ochsenhofer Scharte bin ich dann weiter ins Schwarzwassertal abgestiegen. Erst auf diesem Abstieg habe ich die ersten anderen Wanderer getroffen – entweder sind also am Wochenende (das auf die zwei Tagen zuvor gefallen ist) deutlich mehr Wanderer unterwegs, oder ich habe (aus mir unerfindlichen Gründen) eine nicht so beliebte Route gewählt.
Erst mit der Ankunft im unteren Teil des Schwarzwassertals, bei der Alpe Melköde, sind die Wanderer dann in Scharen aufgetaucht – möglicherweise scheuen die typischen Wandertouristen also Routen ohne bewirtschaftete Almhütten (denn die Alpe Melköde war die erste solche, an der ich an diesem Tag vorbeigekommen bin). Angesichts des Ansturms habe ich auf einen Stopp verzichtet, und bin zum Bus weitermarschiert – eine gute Entscheidung, denn so habe ich den Wolkenbruch am frühen Nachmittag im Bus und nicht etwa am Wanderweg verbracht.
Meine Wanderungen von Baad: Widderstein-Umrundung in blau, Derraköpfle-Umrundung in rot, Grünhorn-Besteigung in grün
(*) Wenn die beiden nicht plötzlich mit einem Affenzahn übers Geröll gejagt wären und dabei laut Steine in die Tiefe haben poltern lassen, wären mir die wohl nie aufgefallen.
![Aufstieg durchs Bärgunttal [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260620_081931-360x270.jpg)
![Blick übers Bärgunttal [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260620_093523-360x223.jpg)
![Blick von der Südflanke des Widdersteins [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260620_101234-360x186.jpg)
![Widdersteinhütte und Großer Widderstein [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260620_111621-360x270.jpg)
![Abstieg ins Gemsteltal [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260620_114452-360x270.jpg)
![Wasserfall im Gemsteltal [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260620_123638-360x270.jpg)
![Gemsteltal [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260620_124308-360x270.jpg)
![Derraköpfle [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260621_084029-360x189.jpg)
![Ausblick vom Derrajoch [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260621_093820-360x193.jpg)
![Abstieg nach Baad [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260621_103314-360x270.jpg)
![Panoramaweg [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260621_121906-360x270.jpg)
![Aufstieg zur Starzelalpe [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260622_084639-360x270.jpg)
![Starzelalpe [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260622_093010-360x230.jpg)
![Aufstieg zum Grünhorn [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260622_093346-360x270.jpg)
![Blick vom Grünhorn-Grat nach Süden [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260622_094338-360x270.jpg)
![Blick vom Grünhorn nach Südwesten [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260622_095906-360x207.jpg)
![Abstieg zur Ochsenhofer Scharte [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260622_104601-360x270.jpg)
![Schwarzwassertal und Ifen [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260622_112343-360x270.jpg)
![Schwarzwassertal [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260622_115830-360x270.jpg)
![Alpe Melköde [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260622_121129-360x270.jpg)