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Karneval in Mérida

Nach den mit der schwülen Hitze in Palenque und meiner Erkältung verbundenen Anstrengungen habe ich eine kleine Pause gebraucht. So habe ich mich für vier Nächte in Mérida eingerichtet, womit auch gleichzeitig die Entscheidung gefallen ist, wo ich das Faschingswochenende verbringe – und da ist Mérida wahrlich keine schlechte Wahl.

Anfangs war ich ja noch der Meinung, dass ich das (laut meinem Reiseführer) erste Highlight verpassen würde: Am Donnerstag in der Faschingswoche findet ein Kinderumzug statt. Da das aber mein Ankunftstag war, wollte ich mir eigentlich den ganzen Tag Pause gönnen, um mich zu erholen. Es hat sich dann jedoch herausgestellt, dass die Parade genau an der Straßenecke unter dem Balkon meines Zimmers begonnen hat. So habe ich mich bequem auf den Balkon gesetzt und die Parade von oben beobachtet. Dabei musste ich feststellen, dass ich ein völlig falsches Bild davon gehabt habe: Ich war der Meinung, dass einfach einige verkleidete Kinder durch die Straßen ziehen – weit gefehlt: Es gab 24 Gruppen, jede mit eigenem Musikwagen, Choreographie und passenden Kostümen!

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Kinder-Karnevalsparade

Am Samstag hat dann ein großer Umzug auf einem Jahrmarkt-Gelände am Stadtrand stattgefunden. Es wurden jedoch Gratis-Busse für die An- und Abreise vom Stadtzentrum (und anderen Stadtteilen) zur Verfügung gestellt.

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"Adultos Mayores"

Ein wesentlicher Unterschied zum Donnerstag bestand darin, dass die Teilnehmer am Samstag etwas älter waren: teilweise nur ein paar Jahre; teilweise deutlich, z.B. bei der Abordnung der "Adultos mayores" (also der "älteren Erwachsenen") – eine davon sogar im Rollstuhl! Einige Gruppen waren auch mit riesigem Federschmuck unterwegs, wie man das von Bildern des Karnevals in Rio kennt. Dazwischen waren auch größere Wagen unterwegs, wobei die meisten davon von Sponsoren gestellt worden sind. Coca-Cola hat beispielsweise ein paar Drachen geschickt.

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Karnevalsparade

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"El Rey Feo"

Alles in allem war es ein lohnender Ausflug (nicht zuletzt wegen der Jahrmarkt-artigen Stimmung rundherum), nur am Schluss hat es sich schon etwas gezogen, weil die Parade immer wieder ins Stocken geraten ist. So war ich dann froh, als mich der Bus "Gladys Alejandra"(*) zurück ins Zentrum (und damit zu meiner Jugendherberge) gebracht hat.

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Zócalo

In der restliche Zeit – wenn ich nicht gerade faul in der Herberge gelegen bin und es nicht geregnet(**) hat – habe ich auch die Stadt ein wenig erkundet: Auch Mérida ist eine typische Kolonialstadt mit vielen Kirchen (wobei mir manche davon fast schon einen maurischen Eindruck machen).

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Kathedrale

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Santa Ana

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Palacio de Gobierno

Besonders gefallen hat mir der Palacio de Gobierno (Regierungspalast) mit seinen Wandgemälden zur Geschichte der Maya, wo auch (bzw. vor allem) die düsteren Kapitel der Eroberung und Unterdrückung thematisiert werden.

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Die Unterwerfung der Maya

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Die Erschaffung des Menschen aus Mais

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Paseo de Montejo

Schließlich gibt es die Prachtstraße Paseo de Montejo, die der Pariser Champs-Elysées nachempfunden werden sollte. Es gibt noch immer einige beeindruckende Villen entlang dieser Straße (wenn auch manche schon eher am Verfallen sind), aber sonst hat sie halt den Charme einer in beiden Richtungen dreispurigen Straße.

Außerdem gibt es einige Museen in der Stadt. Eines davon, das Museo de Mundo Maya, habe ich auch besucht. Es zeigt die Geschichte der Maya – nicht nur zur Zeit der Hochkultur, sondern auch Eroberung, das Leben danach und heutzutage. Verwirrenderweise wurde ich zuerst zur temporären Ausstellung geschickt – und die berichtet über den Einschlag des Meteoriten vor der Yucatan-Halbinsel vor 65 Millionen Jahren, der die Dinosaurier ausgerottet hat. Da habe ich mir schon gedacht, dass das gar weit ausgeholt ist.

Die Dauerausstellung war dann ganz interessant, auch wenn ich mir mehr Artefakte aus der Zeit der Hochkultur erwartet hätte. Es waren zwar sehr schöne Stücke dabei, aber es ist trotzdem mehr ein interaktives Museum, das mit Texten, Videos und interaktiven Displays arbeitet. Kurz und gut, das überschwängliche Lob meines Reiseführers kann ich nicht ganz teilen, aber es war trotzdem ein interessanter Vormittag.

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Figur einer Maya-Gottheit

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Maya-Codex über eine Gottheit

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Schlusszeremonie zum Internationalen Jahr des Lichts

Was die Abendunterhaltung betrifft, so wird einem in Mérida nicht so schnell fad (laut meinem Reiseführer auch außerhalb der Karnevalsaison): Am Freitag bin ich zufälligerweise über die "Schlusszeremonie zum Internationalen Jahr des Lichts" gestolpert, anlässlich derer zahlreiche Lichtinstallationen im Zentrum der Stadt zu bestaunen waren. Ich muss zwar sagen, dass die leuchtenden phantastischen Tiere, die mich erst darauf aufmerksam gemacht haben (und die ich am nächsten Tag beim Faschingsumzug in größerer Zahl wiedersehen sollte), am interessantesten waren (der Rest war doch sehr moderne Kunst), aber das Unterfangen hat mich immerhin auf einen abendlichen Spaziergang durch die Innenstadt entführt.

An meinem letzten Abend hat schließlich am (Haupt-)Platz direkt vor meiner Jugendherberge ein großes Fest stattgefunden, bei dem eine Tanzgruppe mit einer Mariachi-Truppe der Polizei praktisch konkurriert hat, umgeben von Dutzenden Essensständen.

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Tanzvorführung


(*) Zumindest ist dieser Name in Schnörkelschrift innen im Bus über der Windschutzscheibe gestanden – der Name vom Fahrer wird es wohl nicht gewesen sein.

(**) Bereits am Nachmittag meines Ankunftstages ist eine Front durchgezogen, die die Temperaturen gottseidank etwas erträglicher gemacht hat, denn auch hier war es anfangs noch recht schwül und heiß. Gefolgt wurde diese Front jedoch auch von einigen Regenschauern.

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