Meine ersten beiden Urlaubstage habe ich mit Wanderungen rund um Reutte verbracht.
Für meinen ersten Wandertag habe ich mir einen sanften Einstieg auf einem „flachen“ Wanderweg ausgesucht – oder was halt hier in Tirol als „flach“ gilt. Um mir den etwas faden Weg durch den Ort Reutte zu ersparen, habe ich auch gleich das hiesige Sammeltaxi zum Bustarif ausprobiert, das man sich per App bestellen kann: RegioFlink. So lange, wie die angegebenen zwei Minuten Wartezeit gedauert haben, und so (un)enthusiastisch, wie mein „Guten Morgen“ erwidert wurde, könnte ich allerdings den Fahrer aus dem Bett geholt haben.
Dafür war ich dann aber schon gegen 8:15 Uhr unterwegs zu den Stuibenfällen. Die sind nicht nur wegen der geringeren Fallhöhe nicht ganz so beeindruckend wie der gleichnamige Wasserfall im Ötztal, sondern auch weil seit den 1920er-Jahren ein Großteil des Wassers zur Energiegewinnung umgeleitet wird. Trotzdem hat mir dieser Einstieg gefallen, sodass ich auch noch den etwas oberhalb des Flusses verlaufenden „Ministersteig“ (zum Teil) mitgenommen habe. Von dort sieht man zwar wenig von den Wasserfällen, aber dafür die umliegenden Berge – und dafür haben gerade rechzeitig die Wolken aufgerissen.
Bevor ich aber wieder zu meinem Ausgangspunkt hätte absteigen müssen, habe ich kehrt gemacht, denn eigentlich wollte ich ja in die andere Richtung weiterwandern: zum Plansee. Dieser See ist (nach dem Achensee) der zweitgrößte (natürliche) See Tirols. Eine ganze Umrundung dauert dementsprechend ein wenig, aber ich habe mich davon nicht abschrecken lassen, und bin einmal losmarschiert.
Nach rund einer halben Stunde habe ich den (künstlichen) Kanal zwischen Plansee und Heiterwanger See erreicht. Weil letzterer See auch einladend ausgeschaut hat (und der Wanderweg entlang der Nordseite tatsächlich ein reiner Wanderweg und nicht etwa auch für Fahrradfahrer freigegeben war) habe ich mich dann für die Umrundung des letzteren Sees entschieden. Der schmale Pfad praktisch direkt am Seeufer war wirklich ein Genuss; der Rückweg am breiten Fahrweg (wieder mit Radfahrern) war dann nicht ganz so prickelnd.
Außerdem hat gegen Mittag dann der Wind ein wenig aufgefrischt, und die Wolken sind wieder dichter geworden, sodass ich mich (nach Abschluss der Umrundung des Heiterwanger Sees) entschieden habe, die rund zweistündige Wanderung zum anderen Ende es Plansees doch nicht in Angriff zu nehmen. Stattdessen bin ich zu „meinem“ Ende des Plansees zurückgekehrt, habe dort noch einen kleinen Abstecher zur Aussichtsplattform Höllkopf unternommen, und bin dann mit dem Bus zurück in den Ort gefahren. (*)
Bedingt durch den (hierzulande doch sehr eingeschränkten) Busfahrplan war dann einmal eine rund einstündige Pause angesagt. Selbst dann hätte der Bus die Anreise zu meinem nächsten Ziel nur von 45 auf 30 Minuten Fußmarsch reduziert. Daher habe ich auf dem Weg zur Busstation noch einmal mein Glück mit dem RegioFlink-Sammeltaxi versucht – und siehe da, es hat mich nach nur kurzer Wartezeit tatsächlich direkt zu meinem Ziel gebracht. (**)
Dieses war die Burgenwelt Ehrenberg, eine etwas touristischere Destination nahe Reutte. Man muss aber nicht den Schrägaufzug hinauf zur Burgruine Ehrenberg nehmen, man kann auch hinaufwandern – und das habe ich auch gemacht (denn es dauert ohnehin nur 15 bis 20 Minuten). Die Burgruine selbst kommt mir fast ein wenig überrenoviert vor (und überall stehen Baumaterialien herum), aber die Aussicht war trotzdem eine gute (und auch der Rundgang durch die renovierten Ruinen war ganz nett).
Der eigentliche Grund, warum ich aber auf die Burgenwelt Ehrenberg aufmerksam geworden bin, war aber ohnehin ein anderer: die highline179, die mit 406 Metern Länge (angeblich) längste Fußgängerbrücke im Tibet-Stil weltweit. Zwar sind zehn Euro für die Überquerung einer Hängebrücke ein stolzer Preis, aber das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Offensichtlich ist in die Konstruktion der Brücke auch einiges an Hirnschmalz geflossen, denn für eine Hängebrücke (insbesondere in dieser Länge) hat sie extrem wenig geschwankt.
Auf der anderen Seite hätte es noch die Ruinen einer Festung zu besichtigen gegeben, aber darauf habe ich verzichtet. Stattdessen bin ich (nach ausgiebigem Genießen der Aussicht auf Burg Ehrenberg) wieder auf die andere Seite der Schlucht zurückgekehrt, und habe noch den Anstieg zur Festung Schlosskopf über der Burg Ehrenberg in Angriff genommen. Von dort oben war der Blick auf den Talkessel von Reute dann noch einmal ein wenig besser.
Schließlich bin ich (diesmal tatsächlich per pedes) wieder in den Ort zurückgekehrt. Insgesamt habe ich damit an meinem ersten Tag (laut meiner Tracking-App) knapp 29 Kilometer Distanz zurückgelegt und über 750 Höhenmeter bewältigt – vielleicht sollte ich meine Definition eines „sanften Einstiegs“ noch einmal überdenken.
Um es daher zumindest an meinem zweiten Wandertag nicht zu übertreiben, habe ich für den Aufstieg die (sündhaft teure(***)) Seilbahn gewählt, wieder kombiniert mit einer Anreise per RegioFlink-Sammeltaxi. (****) So war ich dann der zweite Gast am Berg, und habe mit einer gemütlichen Runde über die Almen am Hahnenkamm (Reutte, nicht Kitzbühel, natürlich) begonnen.
Das erste Ziel war der Hahnenkamm-Gipfel selbst, mit dem „Tälerblick⁴“, von wo aus man (bei großzügiger Zählweise) vier Täler erblicken kann: das Tannheimer Tal, das Tiroler Lechtal, das Zwischentoren (das Tal in Richtung Zugspitze) und „der Talkessel Reutte“ (wobei offensichtlich unter den Tisch fallen gelassen wird, dass der ja auch durch die Lech gebildet wird). Aber egal ob jetzt drei oder vier Täler: Der Ausblick ist wahrlich ein schöner.
Die Route hat mich dann weiter zur Schneetal-Alm geführt, von wo aus der Wanderweg ein Stückchen bergab gegangen ist, bevor ich zur nächsten Alm aufsteigen musste. Dort bin ich dann bei einer Gruppe Hochlandrinder scharf rechts in Richtung Schneidspitze abgebogen und immer steiler emporgestiegen. Vor dem letzten Stückchen entlang des Berggrats zum Gipfel hat mich dann aber der Schneid verlassen: Nicht nur, dass der Weg schon beim Sabachjoch mit dem Zusatz „nur für Geübte“ ausgeschildert war, er war dann weiter oben auch sehr ausgesetzt – zu sehr für meinen Geschmack. Also bin ich doch wieder zum Sabachjoch abgestiegen und habe den alternativen Wanderweg unterhalb des Gipfels genommen – die Ausblicke waren auch so schön genug.
Nach einer Mittagjause etwas unterhalb des (sehr windigen) Gehrenjochs habe ich dann noch die lokale Wirtschaft unterstützt und bin bei der Gehrenalpe auf ein Getränk eingekehrt. Danach ist der Rückweg zur Seilbahn am Programm gestanden – über viele bunte Blumenwiesen, die zwar schön anzuschauen, aber meiner Nase (dank Allergie) auch ein wenig zu schaffen gemacht haben.
Kurz vor 14:30 Uhr habe ich dann schon wieder die Bergstation der Seilbahn erspäht. Fürs Hinunterfahren war mir das aber noch zu früh, also bin ich nochmals (über einen anderen Weg) zum Hahnenkamm-Gipfel abgebogen, um erneut den Tälerblick⁴ zu genießen. Am Rückweg zur Seilbahn habe ich dann auch noch den „Barfußweg“ (tatsächlich barfuß) mitgenommen. Trotzdem habe ich die 1.000 Höhenmeter knapp verpasst. Allerdings muss ich mir wohl eingestehen, dass ich zu „gemütlich“ beim Wandern wohl einfach nicht fähig bin.
(*) Dieser Bus war ein weiterer Grund für meine Routenwahl: Er fährt nämlich nur wochenends.
(**) Der Fahrer war übrigens noch derselbe wie in der Früh, und seine Begrüßung war gleich (un)enthusiastisch. Entweder war er mir also noch immer böse, oder er ist einfach ein etwas mürrischerer Zeitgenosse.
(***) Zum Glück gibt es mit der Gästekarte 50 % Rabatt; so ist der Preis dann erträglich.
(****) Ich weiß, das liest sich langsam wie eine entgeltliche Werbeeinschaltung, aber mir hat das Konzept einfach gut gefallen.
![Stuibenfälle [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260614_084901-270x360.jpg)
![Ausblick vom Ministersteig [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260614_093255-360x270.jpg)
![Planseeache [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260614_094612-360x270.jpg)
![Plansee [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260614_130537-360x270.jpg)
![Plansee [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260614_102524-360x270.jpg)
![Kanal zwischen Plansee und Heiterwanger See [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260614_103652-360x270.jpg)
![Heiterwanger See [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260614_110818-360x270.jpg)
![Heiterwanger See [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260614_115607-360x270.jpg)
![Blick auf den Plansee von der Aussichtsplattform Höllkopf [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260614_131600-360x194.jpg)
![Burgruine Ehrenberg [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260614_153832-360x270.jpg)
![highline179 [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260614_160008-360x270.jpg)
![Burgruine Ehrenberg [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260614_161311-360x270.jpg)
![Zwischentoren [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260614_165357-360x270.jpg)
![Talkessel von Reutte [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260614_170002-360x209.jpg)
![Bergwelt Hahnenkamm [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260615_151536-360x270.jpg)
![Tiroler Lechtal (links) und Tannheimer Tal (rechts) [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260615_094827-360x168.jpg)
![Unterwegs zur Schneetal-Alm [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260615_101855-360x270.jpg)
![Gehrenspitze [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260615_112607-360x270.jpg)
![Sabachjoch [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260615_115830-360x237.jpg)
![Blumenwiese [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260615_124220-360x270.jpg)
![Talkessel von Reutte [Foto]](../../../../wp-content/uploads/2026/06/20260615_134320-360x270.jpg)