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Flucht aus dem Hochofen aufs Dachsteinplateau

Da gerade eine Hitzewelle über Europa zieht, bin ich für ein verlängertes Wochenende in die Berge geflüchtet und habe drei Tage bei strahlendem Sonnenschein am Dachsteinplateau in rund 1.800 Meter Seehöhe verbracht. Zwar war es besonders nachmittags in der prallen Sonne auch kaum auszuhalten – aber trotzdem kein Vergleich zu den 35° C (und mehr) in Wien.

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Waldbach

Um den potentiellen Massen bei der Seilbahn zu entgehen, habe ich mich für einen Aufstieg zu Fuß von Hallstatt zum Wiesberghaus entschieden. Der Weg hat mich zu Beginn den imposanten, reißenden Waldbach(*) entlang geführt  – dieser Anblick war auch den kurzen Umweg wert, den ich dadurch gehen musste, denn der direkte Weg hätte eine Forststraße etwas oberhalb des Baches entlang geführt. So habe ich auch noch den sogenannten Gletschergarten zu Gesicht bekommen, ein kleiner Felseinschnitt, der vom Gletscher in der letzten Eiszeit mit zahlreichen kleinen Wasserbecken und abgerundeten Felswänden "ausgestattet" worden ist.

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Danach bin ich wieder auf die Forststraße gestoßen, und habe einen weiteren Vorteil des Weges durchs bewaldete Flusstal entdeckt: Die Forststraße hat nämlich (zumindest für ein kurzes Stück) durch die pralle Sonne geführt. Ein wenig entschädigt für die Strapazen hat dann wieder der Oberlauf des Waldbaches – der ist nämlich noch reißender und wilder.

Bald danach bin ich gottseidank wieder in den Wald gekommen, und der eigentliche Aufstieg hat begonnen. Nach einiger Zeit im Wald hat mich der Weg dann entlang (aber leider kaum im Schatten) der Klippen des Dachsteinplateaus geführt.

Nach rund viereinhalb Stunden und vier (!) Litern Trinkwasser waren die 1365 (!)  Höhenmeter dann endlich geschafft – und ich war es auch ein wenig. Insbesondere die letzte Stunde, als ich zur Mittagszeit wieder in der prallen Sonne (weil bereits oberhalb der Waldgrenze) wandern musste, hat mich ziemlich fertiggemacht.

Ich habe mich dann den Nachmittag über in den Schatten der Hütte (bzw. anfangs sogar nach drinnen) verzogen, und nochmals eineinhalb Liter getrunken. Danach konnte ich den milden (aber nicht heißen!) Abend mit dem phantastischen Ausblick genießen.

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Ausblick von der Ochsenwieshöh

Am nächsten Tag bin ich weiter hinauf zur Simonyhütte gewandert, und habe unterwegs den großartigen Rundblick von der Ochsenwieshöh(**) genossen. Die Aussicht von der Simonyhütte hat dann aber alles in den Schatten gestellt: Der Blick auf den Hallstätter Gletscher, der praktisch direkt gegenüber der Hütte liegt, war einfach unschlagbar.

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Alpenblumen

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Hallstätter Gletscher

Von dort bin ich dann durch eine Steinwüste am Eissee vorbei gewandert, bevor ich am Fuße des Taubenkogels am sogenannten Trägerweg über die wildesten Karstformationen gekraxelt bin. So habe ich schließlich die Gjaidalm erreicht, wo ich meine letzten beiden Nächte verbracht habe.

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Eissee

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Trägerweg

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Hallstätter See

Am dritten Tag habe ich also nur einen Tagesausflug von dort aus unternommen: Ich bin über die Schipiste, die sich einer tiefen Wunde gleich den Berg hinauf zieht(***), zum Krippenstein aufgestiegen, habe mich dort unter die Seilbahngäste gemischt, und den Ausblick von den 5fingers auf den Hallstätter See genossen. Danach bin ich über den sogenannten Karstwanderweg wieder zur Gjaidalm zurückgekehrt. Am späten Nachmittag (nachdem die ärgste Hitze des Tages überstanden war) habe ich dann noch einen kleinen Spaziergang in der Umgebung der Hütte unternommen.

An meinem Abreisetag hat mich in der Früh ein unerwartetes Geräusch begrüßt: Regenprasseln auf dem Blechdach! Nachdem ich aber ohnehin eine Indoor-Aktivität für den Vormittag geplant hatte, hat mich das wenig gestört. Ich habe mich schlussendlich für einen Besuch der Dachstein-Eishöhle entschieden, deren große Höhlenkammern und Eisskulpturen ähnlich imposant wie die in der Eisriesenwelt (die ich ja vor rund eineinhalb Monaten besucht habe) sind. Ich muss aber zugeben, dass letztere für mich noch eine Spur beeindruckender war (was aber auch daran liegen kann, dass ich sie zuerst besucht habe).

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Dachstein-Eishöhle

Nachdem ich mich im Laufe der letzten 24 Stunden also immer mehr in typisch touristische Gefilde begeben habe, lag der Abschluss meines Kurzurlaubs ganz nah: ein Spaziergang durch Hallstatt. Ich bin daher gemeinsam mit Horden von amerikanischen und asiatischen Touristen (und einigen Gruppen von oberösterreichischen Schulkindern) durch die Straßen spaziert, habe die pittoresken, an die Felswand geschmiegten Gebäude bewundert, und über das Beinhaus gestaunt: Wegen Platzknappheit am Friedhof wurden früher (heutzutage nur noch auf ausdrücklichen testamentarischen Wunsch) die Gräber nach rund 15 Jahren wieder geleert – und die Schädel und Gebeine nach Familien sortiert (und zu rund 50 Prozent sogar bemalt!) im Beinhaus aufgeschlichtet!

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Hallstatt

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Beinhaus

Nach diesem etwas makaberen Abschluss meines Aufenthaltes bin ich schließlich mit dem Schiff über den Hallstätter See zur Bahnstation und von dort mit dem Zug wieder nach Wien gefahren.


(*) Der heißt wirklich so!

(**) Auch die heißt wirklich so!

(***) Da sieht man erst, was für Schäden der Wintertourismus anrichten kann.

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